Was ist Stressmedizin?

Stressmedizin beschäftigt sich als relativ junges Spezialgebiet der Psychosomatischen Medizin mit den körperlichen und psychischen Auswirkungen von Stress.

Auf körperlicher Ebene kann Stress zu psychosomatischen Symptomen wie Herzrasen, Migräne oder Rückenschmerzen führen (Psychosomatik).

Auf psychischer Ebene kann Stress bei entsprechender Anlage zu Angst, Erschöpfung und Depression führen.

Dabei kann die Belastung von außen (Arbeitslast, Doppelbelastung etc.) und von innen (Perfektionismus, Zielkonflikte, Angst etc.) kommen. In der Regel liegt eine Kombination "von innen und außen" vor.

Als Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bin ich auf die Erkennung und Behandlung von psychosomatischen Symptomen, Angststörungen, Erschöpfungszuständen und Depressionen spezialisiert.

Fachärztliche Diagnostik und Therapieplanung

Der Therapieplanung wird meiner Erfahrung nach viel zu wenig Bedeutung beigemessen. Vor der Behandlung stellen sich folgende Fragen:

  • Welche Symptome liegen seit wann vor?
  • Liegt eine körperliche Erkrankung vor welche zu den Symptomen führt?
  • Haben die Symptome eine seelische Ursache?
  • Wie  kam es zu den Symptomen und warum traten die Symptome genau zu diesem Zeitpunkt auf?
  • Ist eine psychotherapeutische Behandlung bei diesen Beschwerden erfolgversprechend?
  • Was ist die Zielsetzung der Behandlung?
  • Welches psychotherapeutische Verfahren hat bei den vorhandenen Symptomen und der individuellen Zielsetzung die besten Erfolgsaussichten?
  • Könnten pflanzliche Präparate oder bestimmte Medikamente hilfreich sein?

Die genannten Fragen werden häufig in ihrer Relevanz unterschätzt und der therapeutische Weg damit stark dem Zufall überlassen. Eine zufällige Vorgehensweise entspricht jedoch nicht den heute zur Verfügung stehenden diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten.

Die fachübergreifende Diagnostik und Therapieplanung ist die Kernkompetenz des erst im Jahr 2004 neu geschaffenen Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Diagnostisch sind für die Therapieplanung drei Ebenen von entscheidender Bedeutung:

a) Psychosomatische Diagnostik

Die Psychosomatische Diagnostik ist das Kernelement der Behandlungsplanung. Hier geht es um die Frage warum die Symptome vorhanden sind und wie sie zustande kommen. Aufgrund der wegweisenden Funktion der psychosomatischen Diagnostik führe ich diese vor allen anderen diagnostischen Maßnahmen durch. Oft erledigen sich dann auch andere diagnostische Ebenen oder es folgt aus der psychosomatischen Diagnostik bereits eine klare Therapieempfehlung. So empfiehlt sich bei bestimmten Symptomen oder Zielsetzungen eine verhaltenstherapeutische Behandlung, bei anderen Symptomen oder Zielsetzungen eine psychodynamische Behandlung.

b) Erfassung neurobiologischer Veränderungen

Chronischer Stress, psychosomatische Symptome, Angststörungen, Erschöpfungszustände und Depressionen gehen regelhaft mit bestimmten neurobiologischen Veränderungen einher. Diese Veränderungen sind mit den heute zur Verfügung stehenden Meßmethoden zuverlässig nachweisbar. Neurobiologisch zeigen sich bei Patienten mit stressinduzierten Erschöpfungszuständen ("Burnout") meist sehr ähnliche Befunde wie bei Patienten mit Depressionen. Auch die Depression kann damit als eine Stresserkrankung verstanden werden, nur kommt hier der Stress eben nicht von außen sondern in der Regel von innen. Zum Nachweis der neurobiologischen Veränderungen dient eine Messung der Herzschlagvariabilität über Nacht und die Konzentrationsbestimmung des Stresshormons Cortisol im Tagesverlauf über mehrere Tage. Teilweise zeigen auch Patienten mit psychosomatischen Symptomen ohne relevante subjektiv wahrgenommen Stressbelastung deutliche Veränderungen der neurobiologischen Parameter. Derartige Befunde könnnen ein wichtiger Hinweis auf eine eingeschränkte Wahrnehmung von Belastung sein und diese Erkenntnis kann psychotherpeutisch wiederum wegweisend sein. Die neurobiologischen Befunde können aber auch für eine bestimmte Medikation sprechen. So lässt sich die Stresshormon-Achse beispielsweise auch gut mit pflanzlichen Präparaten beeinflussen und die psychotherapeutische Behandlung kann so wirksam unterstützt werden. Der Nachweis der neurobiologischen Veränderungen entspricht dabei einem Röntgenbild. Man sieht zwar die Veränderungen, eine Aussage über die Ursache der Veränderungen ist aber nicht unbedingt möglich. Die Ursachenklärung ist Aufgabe der psychosomatischen Diagnostik.

c) Ausschluss körperlicher Erkrankungen

Es gibt zahlreiche körperliche Erkrankungen welche zu Angst, Erschöpfung und Depression führen oder beitragen können. Deshalb sind vor jeder psychotherapeutischen Behandlung immunologische Erkrankungen, hormonelle Erkrankungen, Infektionserkrankungen, Erkrankungen des Magen-Darm-Systems, Stoffwechselerkrankungen, ausgeprägter Vitamin-B12-/Folsäuremangel, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und neurologische Erkrankungen mit geeigneten Methoden auszuschließen. Insbesondere bei unklaren Erschöpfungszuständen empfiehlt sich zusätzlich eine differenzierte stressmedizinische Diagnostik mit Erfassung der sog. Stresshormon-Achse zum Ausschluss einer körperlichen Ursache der Erschöpfung ("adrenal fatigue"). Im Bedarfsfall arbeite ich mit anderen entsprechend spezialisierten Kollegen zusammen.

Fachärztliche Behandlung

Als Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie integriere ich unterschiedliche Behandlungstechniken, Verfahrenselemente und Kompetenzen in eine im Kern psychodynamische Behandlung.

a) Psychosomatische Medizin

Die Kombination aus ärztlicher und psychotherapeutischer Kompetenz ist in der Behandlung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen oft von entscheidender Bedeutung. So neigen Patienten mit psychisch bedingten körperlichen Symptomen oder hypochondrischen Ängsten zu häufigen Arztbesuchen ohne hierüber eine anhaltende Besserung der Symptome zu erzielen. Durch die fachärzliche Kompetenz können die körperbezogenen Ängste innerhalb der Psychotherapie besprochen und geklärt und die weitere Abklärung ggf. ärztlich koordiniert werden. Zudem gelingt es in der psychodynamischen Psychotherapie häufig körperliche Symptome zu verstehen. Die Klärung und Behandlung psychosomatischer Symptome gehört zu den Kerzkompetenzen des Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

b) Psychodynamische Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine Form der psychodynamischen Psychotherapie und Kern meines Behandlungsansatzes. In den psychodynamischen Verfahren geht es letztlich darum das Symptom und damit sich selbst besser zu verstehen. Seelische Symptome treten im Verständnis der psychodynamischen Verfahren nicht zufällig an einer bestimmten Stelle des Lebens auf und sind auch kein Defekt welchen man reparieren muss. Symptome werden hier als Sprache der Seele verstanden welche es zu verstehen gilt. Der psychodynamische Therapeut wäre in diesem Bild der Übersetzer. Das Verfahrender psychodynamischen Psychotherapie hat sich insbesondere auch in der Behandlung psychosomatischer Symptome sehr bewährt.

c) Berücksichtigung neurobiologischer Befunde

In der psychotherapeutschen Behandlung können die Ergebnisse der stressmedizinischen Diagnostik direkt berücksichtigt werden. So kann beim Auseinanderweichen von subjektiver Stresswahrnehmung und objektiver meßbarer Stessreaktion mit geeigneten psychotherapeutischen Techniken aktiv an der Gefühlswahnehmung gearbeitet werden.

d) Integration verhaltenstherapeutischer Techniken

Auf der Basis eines psychodynamischen Symptomverständnisses integriere ich auch verhaltenstherapeutische Behandlungselemente in die grundsätzlich psychodynamische Behandlung. Mit Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie lässt sich oft eine relativ rasche Besserung der Symptomatik erzielen. So hat das eigene Verhalten Auswirkungen auf die Stimmung und die Stimmung dann wieder Auswirkungen auf das Verhalten. Auf diesem Weg kann ein Teufelskreis entstehen. So recherchieren ängstliche Menschen häufig im Internet um sich zu beruhigen, werden aber durch die gelesenen Inhalte unruhig und noch ängstlicher. Ein derartiger Teufelskreis lässt sich mit kognitiver Verhaltenstherapie rasch durchbrechen und dies führt regelmäßig zu einer raschen Symptombesserung.

e) Berücksichtigung neurowissenschaftlicher Erkenntnisse

Die Neurowissenschaften haben in den letzen 10 Jahren geradezu zu einer Explosion des Wissens über die Funktionsweisen des Gehirns geführt. Diese Erkenntnisse wurden und werden bisher kaum in die Psychotherapie übertragen obwohl das neue Wissen durchaus praktisch anwendbar ist und sehr hilfreich sein kann. Von besonderer Bedeutung sind auch die vorhandenen neurowissenschaftlichen Erkenntnisse zur Relevanz des Nutzungsverhaltens von digitalen und sozialen Medien für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Angsterkrankungen, Erschöpfungszuständen und Depressionen. Es gibt aber auch beispielsweise reichlich Kenntnisse aus der Neurowissenschaft welche Faktoren für das Gefühl der Zufriedenheit entscheidend sind. Derartiges Wissen kann in der Therapie als "Eckpfeiler" dienen und eine wertvolle Hilfe bei schwierigen privaten und beruflichen Entscheidungen darstellen.

f) Die Frage der Medikation

Die Frage ob eine medikamentöse Behandlung durchgeführt werden soll ist meiner Erfahrung nach äußerst komplex. Eine Bedarfsmedikation bei Schlafstörungen oder innerer Unruhe stellt dabei kein Problem dar. Schwierig ist die Integration einer beispielsweise antidepressiven Dauermedikation in eine psychotherapeutische Behandlung. Hier stellen sich regelmäßig zahlreiche berechtigte Fragen. Diese Fragen können im Rahmen von Therapieplanung und Behandlung ausführlich besprochen und die Sinnhaftigkeit einer Medikation gemeinsam abgewogen werden ("shared decision making"). Nach sorgfältiger Abwägung und Einbettung der Zielsetzung in die psychotherapeutische Behandlung kann ich im Bedarfsfall Psychotherapie und Medikation "aus einer Hand" anbieten.

Dabei besteht die Wirkung der genannten "Bausteine" nicht nur aus der Summe der Einzelbausteine. Die Einzelbausteine sind in der individuellen Situation unterschiedlich bedeutsam, müssen professionell aufeinander abgestimmt sein und können nur so gemeinsam ihre heilende Wirkung entfalten.

Schwerpunkt ist die im geschilderten Sinne tatsächlich "ganzheitliche" Behandlung von psychosomatischen Symptomen (Psychosomatik), Angst, Erschöpfung und Depression. Die Praxis ist eine Privatpraxis (Kosten).