Cortisolmangel

Wichtiger Hinweis:

Bitte wenden Sie sich bei dem Wunsch nach einer diagnostischen Abklärung direkt an die Stressambulanz am Stress Zentrum Trier. In der Praxis für Psychotherapie München wird die Neuropattern-Diagnostik nicht mehr angeboten.

Die Aufgaben des Stresshormons Cortisol

Mit Hilfe des Hormons Cortisol stellt sich der Organismus auf akute und chronische Belastungen ein. Cortisol gilt deshalb auch als „Stresshormon“. Cortisol wird in der Nebennierenrinde produziert. Die Steuerung der Produktion erfolgt über das Hormon ACTH. ACTH wird im Gehirn in einer bestimmten Tagesrhythmik und in Abhängigkeit von anstehenden Belastungen ausgeschüttet. Die Ausschüttung von Cortisol zielt auf die Bereitstellung von schnell verfügbarer Energie bei Stress.

Cortisol führt zu folgenden körperlichen und psychischen Veränderungen:

  • Erhöhung des Blutdrucks
  • Erhöhung des Blutzuckers
  • Anstieg der Blutfette
  • Entzündungshemmung
  • Unterdrückung des Immunsystems
  • Gehobene Stimmung, Stimmungsschwankungen, Unzufriedenheit, Reizbarkeit, Ärger

Die Ausscheidung von Cortisol führt also zu einer körperlichen und psychischen Aktivierung um den Organismus optimal auf eine anstehende Herausforderung oder einen Kampf vorzubereiten. Die Vorbereitung auf einen Kampf geht soweit, dass sich durch Cortisol sogar die Gerinnung des Blutes erhöht um einem Verbluten im Rahmen einer möglichen Verletzung vorzubeugen.

Vom Cortisolüberschuss zum relativen Cortisolmangel

Wie an den aufgeführten Symptomen gut zu erkennen ist, handelt es sich bei der durch Cortisol vermittelten Stressreaktion eigentlich um eine Akutreaktion zur Sicherung des Überlebens. Akut meint, dass eine kurzfristige Belastung wie ein Angriff rasch wieder aufhört und der Organismus dann wieder in den Erholungsmodus „umschalten“ kann. Problematisch wird die Stressreaktion wenn sie nicht bald wieder beendet wird und sich täglich wiederholt. Bei ständiger Wiederholung steigt die Ausschüttung von Cortisol immer mehr an und ab einem bestimmten Punkt gelingt es dem Organismus nicht mehr auf den Erholungsmodus „umzuschalten“. Es kommt dann zu innerer Unruhe, Aktivismus, der Unfähigkeit zu entspannen und zu Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen. Bei dauerhafter Überaktivierung kann sich die Leistungsfähigkeit der Nebennierenrinde irgendwann reduzieren bzw. erschöpfen wodurch dann zu weniger Cortisol ausgeschüttet und ein relativer Cortisolmangel entsteht. Bei bestimmten Erkrankungen kann die Nebenniere ihre Funktion auch ganz einstellen (Morbus Addison).

Woran erkennt man einen Cortisolmangel?

Ein Mangel an Cortisol kann zu folgenden Symptomen führen:

  • Erschöpfung
  • Schwächegefühl
  • Tagesmüdigkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Niedrigem Blutdruck
  • Erniedrigtem Blutzucker
  • Salzhunger

Die Symptome sind aber recht allgemein weshalb die Diagnosestellung laborchemisch erfolgen muss.

Wie diagnostiziert man einen Cortisolmangel?

Ein absoluter Cortisolmangel im Sinne eines Morbus Addison wird anhand der vorliegenden Symptome und den Nachweis typischer laborchemischer Veränderungen diagnostiziert. Im Fall eines Morbus Addison findet sich im Blut ein deutlich erhöhtes ACTH und ein deutlich vermindertes Cortisol. Für eine zuverlässige Diagnose wenden Sie sich am besten an einen Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie.

Die Diagnose eines relativen Cortisolmangels ist aus verschiedenen Gründen ausgesprochen anspruchsvoll und das Krankheitsbild ist auch nicht allgemein anerkannt. So beschreibt das allgemein anerkannte Krankheitsbild eines Morbus Addison einen Extremzustand. Hier wird so gut wie gar kein Cortisol mehr produziert. Es gibt aber auch Menschen, welche zwar keinen Mobus Addison haben, dennoch aber – im Vergleich mit Gesunden – eine verminderte Produktion von Cortisol aufweisen. Diese Menschen befinden sich sozusagen in einem medizinischen Graubereich. Im den USA wird ein derartiger Zustand oft auch als „Adrenal fatigue“ bezeichnet. Eine „vergleichsweise“ geringere Produktion von Cortisol ist aber ausgesprochen schwer nachweisbar. Die Bestimmung von Cortisol im Blut ist hier zum Nachweis nicht geeignet da diese nur eine „Momentaufnahme“ darstellt. So finden sich zum einen durch die zirkadiane Rhythmik im Tagesverlauf erhebliche Unterschiede in der nachweisbaren Cortisolkonzentration. Zum anderen ist die Cortisolproduktion auch stark abhängig von den Belastungen des Tages. Deshalb ist die Bestimmung von Einzelwerten zum Nachweis eines relativen Cortisolmangels nicht geeignet. Um ein aussagefähiges Messresultat zu bekommen, muss Cortisol mehrfach am Tag über mehrere Tage mit der richtigen Technik bestimmt werden. Hierfür eignet sich eine Bestimmung im Speichel am besten. Zudem dürfen zum Nachweis eines relativen Cortisolmangels bei der Interpretation der Messwerte nicht die Extremwerte eines Morbus Addison zugrunde gelegt werden, sondern Werte, welche sich auf den Vergleich mit symptomfreien Personen beziehen. Darüber hinaus ist es sinnvoll nicht nur den Cortisolwert zu messen, sondern auch die Funktion des Cortisol-Regelkreises zu prüfen (Dexamethason-Hemmtest).

Der Nachweis eines relativen Cortisolmangels ist deshalb ausgesprochen anspruchsvoll. Die beste Nachweismethode wurde von Prof. Hellhammer in Trier entwickelt. Im Rahmen der Neuropattern-Diagnostik werden die Cortisolwerte mehrfach täglich über drei Tage bestimmt. Am Abend des zweiten Tages erfolgt die Einnahme von 0,25 mg Dexamethason und am dritten Tag wird dann noch einmal die Cortisolaufwachreaktion gemessen (Dexamethason-Hemmtest). Herr Prof. Hellhammer hat durch den Vergleich mit einer gesunden Vergleichsgruppe auch eigene Grenzwerte entwickelt.

In der Praxis in München wurden zwischen 2014 und 2019 gemeinsam mit Prof. Hellhammer zahlreiche Messungen mit Hilfe von Neuropattern durchgeführt. Leider ist Prof. Hellhammer im Jahr 2019 verstorben. Die Neuropattern-Diagnostik wurde daraufhin in der Praxis eingestellt. Das Stresszentrum Trier bietet aber weiterhin die Messung an und die Testmaterialien können dort bestellt werden. Es wird dort ein Stressprofil Basic und ein Stressprofil Premium angeboten. Bei dem Stressprofil Basic wird nur an zwei Tagen die Cortisolaufwachreaktion bestimmt. Das Stressprofil Premium entspricht der früheren Neuropattern-Diagnostik. Hier werden noch mehr Cortisolwerte im Tagesverlauf bestimmt und am dritten Tag wird ein Dexamethasontest durchgeführt. Zudem wird die Herzschlagvariabilität über Nacht gemessen und es wird eine Fragebogendiagnostik durchgeführt. Zum Nachweis eines relativen Cortisolmangels empfiehlt sich die umfangreichere Testung mittels dem Stressprofil Premium bzw. Neuropattern. Bei der Auswertung der Cortisolwerte werden auch die von Prof. Hellhammer über Jahrzehnte entwickelten Normwerte zugrunde gelegt. Die Untersuchungen werden in Trier auch ausgewertet und Sie erhalten eine entsprechende Behandlungsempfehlung.

Wie behandelt man einen relativen Cortisolmangel?

Die Behandlungsempfehlung der Neuropattern-Diagnostik hängt von dem Schweregrad des relativen Cortisolmangels ab. In leichten Fällen kann versucht werden über Sport und Ernährung die Cortisolproduktion wieder zu aktivieren. Zudem kann bei leichten bis mittleren Mangelzuständen die Gabe bestimmter pflanzlicher Präparate sinnvoll sein, welche die Cortisolproduktion anregen. Bei einem ausgeprägten relativen Cortisolmangel können bestimmte Medikamente sinnvoll sein, welche zu einer Normalisierung der Cortisolproduktion führen oder beitragen. Zur kurzfristigen Stressreduktion empfehlen sich üblicherweise verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Langfristig kann die Stressbelastung meist am besten über eine psychodynamische Psychotherapie oder ein psychodynamisches Coaching abgesenkt werden.

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Serotoninmangel

Was ist ein Serotoninmangel?

Unter einem Serotoninmangel versteht man eine erniedrigte Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Serotonin beeinflusst und reguliert die Stimmung, den Antrieb und vermittelt Entspannung und Wohlbefinden. Deshalb wird Serotonin oft auch als „Glückshormon“ bezeichnet. Zudem fördert Serotonin den Schlaf. Serotonin wird hauptsächlich im Tiefschlaf produziert, weshalb durch einen Serotoninmangel auch ein Teufelskreis entstehen kann. Der Serotoninmangel erschwert das Einschlafen, der fehlende oder gestörte Tiefschlaf reduziert die Serotoninproduktion wodurch sich der Schlaf dann wieder verschlechtert. Zusammen mit dem parasympathischen Anteil des vegetativen Nervensystems aktiviert Serotonin zudem die Verdauung und den Stoffwechsel. Serotonin und Parasymathikus können auch als Erholungssystem (trophotropes System) des Organismus verstanden werden. Bei einem Ungleichgewicht des Erholungssystems mit dem System der Aktivierung bzw. der Energieversorgung kann es zu verschiedenen körperlichen und psychischen Symptomen kommen.

Welche Ursachen gibt es?

Ein Serotoninmangel kann auf unterschiedliche Weise entstehen. Die Fähigkeit zur Produktion von Serotonin hat auch mit genetischen und frühkindlichen Belastungen zu tun. Hauptursache für einen Serotoninmangel im Erwachsenenleben sind jedoch psychische Belastungen und lang anhaltende Stressbelastungen. Zudem können stressbedingte Schlafstörungen zur Entwicklung eines Serotoninmangels beitragen. Eine zusätzliche Verstärkung des Serotoninmangels kann durch einseitige Ernährung im Rahmen anhaltender Stressbelastung entstehen. Daneben können auch körperliche Faktoren wie chronische Infektionen oder Darmerkrankungen durch die Aktivierung proinflammatorischer Zytokine zu einem Serotoninmangel führen oder beitragen.

Welche Symptome hat ein Serotoninmangel?

Mögliche Symptome eines Serotoninmangels sind:

  • Erschöpfung und Müdigkeit
  • Innere Anspannung und Nicht-Abschalten-Können
  • Reizbarkeit und Aggressivität
  • Gedrückte Stimmung
  • Schlafstörungen
  • Veränderungen des Appetits und der sexuellen Lust
  • Verstärkte Schmerzwahrnehmung

Auf körperlicher Ebene spielt Serotonin eine Rolle bei der Entstehung von Kopfschmerz/Migräne, dem Reizdarmsyndrom und dem prämenstruellen Syndrom (PMS). Zu einem Serotoninmangel kann es auch im Rahmen von Angststörungen und Depressionen kommen.

Wie diagnostiziert man einen Serotoninmangel?

Beim Serotoninmangel handelt es sich um einen Botenstoffmangel im Gehirn. Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin, Acetylcholin, Dopamin und GABA sind zwar in Blut oder Urin messbar, die in Blut oder Urin gemessenen Konzentrationen lassen aber keine zuverlässige Aussage über die Konzentration der Botenstoffe im Gehirn zu. Dies gilt auch für deren Abbauprodukte. So lässt auch die häufig empfohlene Messung von 5-Hydroxyindolessigsäure (HIES) in Blut oder Urin (aufgrund der Blut-Hirn-Schranke) keine Rückschlüsse auf die Konzentration von Serotonin im Gehirn zu. Hierzu muss 5-Hydroxyindolessigsäure in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) bestimmt werden. Dabei muss aber die Materialentnahme über eine Liquorpunktion erfolgen. Diese ist zwar üblicherweise nur wenig schmerzhaft, birgt aber einige Risiken. Der Nachweis eines Serotoninmangels über eine Liquorpunktion ist deshalb derzeit nur im Rahmen von Forschungsarbeiten (Beispiel) zu rechtfertigen. Der Nachweis eines Serotoninmangels ist aber üblicherweise aber auch gar nicht erforderlich da sich ein Serotoninmangel – für den geübten Untersucher – auch sehr gut an den bestimmten Symptomen erkennen lässt. Auch eine rasche Abheilung der Symptome bei Gabe eines Serotonin-Wiederaufnehmehemmers (SSRI) spricht für das Vorliegen eines – zuvor vorliegenden – Serotoninmangels.

Wie behandelt man einen Serotoninmangel?

Ein Serotoninmangel kann mit unterschiedlichen Maßnahmen behoben werden. Die Wahl der passenden Maßnahmen hängt vorwiegend vom Schweregrad des Serotoninmangels ab. Stress und psychische Belastungen können am besten mit Hilfe einer Verhaltenstherapie oder einer psychodynamischen Therapie reduziert werden. Hierdurch normalisiert sich mittelfristig üblicherweise auch der Serotoninspiegel. Bei Schlafstörungen, Angststörungen und Depressionen kann auch eine ergänzende Medikation hilfreich sein. Bei leichtem Serotoninmangel kann hier auch eine Behandlung mit der Aminosäure L-Tryptophan (5-Hydroxy-Trypotophan/ 5-HTP) sinnvoll sein. Mit Hilfe der Medikamentengruppe der sog. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) lässt sich auch ein ausgeprägter Serotoninmangel innerhalb weniger Tage bis Wochen normalisieren. Wenn parallel zur Medikamenteneinnahme die Stressursachen reduziert bzw. die Stressbewältigung verbessert wird, kann die Medikation mit SSRI dann meist wieder rasch reduziert und schließlich abgesetzt werden.

In der Praxis für Psychotherapie München wird zunächst die Ursache des Serotoninmangels geklärt. Anschließend wird eine passgenaue Behandlung geplant damit die Beschwerden rasch und nachhaltig abklingen.

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