Zitat zu Burnout und Erschöpfung

„Durch die Leidenschaft lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß.“

Nicolas Chamfort – DIE ZEIT vom 10.09.18, S. 3

Burnout und ärztliche Diagnosen

Aus ärztlicher Sicht kann sich dahinter sowohl eine Überlastungsreaktion als auch ein Erschöpfungssyndrom als auch eine Erschöpfungsdepression verbergen. Je nach dem was sich hinter dem Erschöpfungszustand verbirgt, ist auch eine andere Behandlung erfolgversprechend.

Was ist eine Überlastungsreaktion?

Unter massiver Stressbelastung kommt es zu einer Aktivierung des Organismus. Im Rahmen einer Überaktivierung kommt es typischerweise zu Symptomen wie Erschöpfung, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen-Darm-Problemen, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen. Die Symptome gehen nach Entlastung im Urlaub ohne weitere Maßnahmen aber wieder zurück. Eine Überlastungsreaktion ist keine Krankheit, sondern die Reaktion eines gesunden Menschen auf zu hohe Stressbelastung. 

Die Behandlung einer Überlastungsreaktion

Da es sich bei der Überlastungsreaktion um keine Krankheit handelt, ist hier weder eine Psychotherapie noch eine medikamentöse Behandlung sinnvoll. Bei einer Überlastungsreaktion empfiehlt sich ein Coaching zur Stressreduktion und zur Verbesserung der Stressbewältigung. Auch Coaching gehört zum Leistungsspektrum meiner Praxis. Zusätzlich kann die Gabe bestimmter Nährstoffe oder bestimmter pflanzlicher Präparate sinnvoll sein um das Eintreten eines Erschöpfungssyndroms zu verhindern.

Was ist ein Erschöpfungssyndrom?

Wenn es wiederholt zu einer Überlastungsreaktion kommt oder der Überlastungszustand über längere Zeit anhält, kann sich aus der Überlastungsreaktion ein Erschöpfungssyndrom entwickeln. Ein Erschöpfungssyndrom klingt nach Beendigung der Überlastungsphase dann nicht mehr von selbst ab. Hier hat sich die andauernde Stressreaktion sozusagen „verselbstständigt“.

Für ein Erschöpfungssyndrom gibt es folgende Diagnosekriterien:

Leitsymptom:

  • Gefühl der körperlichen und psychischen Erschöpfung

Zusatzsymptome:

  • Schmerzen des Bewegungsapparats – insbesondere Rückenschmerzen
  • Schwindel
  • Spannungskopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Entspannungsschwierigkeiten
  • Reizbarkeit
  • Verdauungsstörungen

Das entscheidende Symptom ist das Gefühl der körperlichen und psychischen Erschöpfung. Zur Diagnose eines Erschöpfungssyndroms müssen jedoch noch mindestens zwei der genannten Zusatzsymptome vorliegen.

Da Erschöpfung auch im Rahmen zahlreicher anderer Erkrankungen vorkommen kann, ist die Diagnose eines Erschöpfungssyndroms immer durch einen entsprechend spezialisierten Arzt zu stellen. So können beispielsweise auch Schilddrüsenerkrankugen, Infektionserkrankungen oder Darmerkrankungen zu Erschöpfungszuständen mit entsprechenden Zusatzsymptomen führen. Diese Erkrankungen müssen deshalb zunächst mit geeigneten Verfahren ärztlich ausgeschlossen werden.

Zudem ist es von hoher Bedeutung ein Erschöpfungssyndrom von einer Erschöpfungsdepression zu unterscheiden da eine Erschöpfungsdepression deutlich gefährlicher ist und andere Behandlungsmaßnahmen erfordert.

Die Behandlung eines Erschöpfungssyndroms

Bei einem Erschöpfungssyndrom handelt es sich um eine Krankheit. Hier ist ein Coaching nicht mehr ausreichend da eben auch eine komplette Entlastung nicht mehr zur Abheilung der Symptome führt. Bloße Maßnahmen zur Stressreduktion oder zur Verbesserung der Stressbewältigung reichen hier also nicht mehr aus.

Bei einem Erschöpfungssyndrom empfiehlt sich im Allgemeinen eine psychotherapeutische Behandlung. Im Bedarfsfall kann die psychotherapeutische Behandlung mit einer sorgsam ausgewählten Medikation unterstützt werden. Eine ergänzende medikamentöse Behandlung empfiehlt sich insbesondere bei sehr ausgeprägten Symptomen und beim Vorliegen von Schlafstörungen.

In der Psychotherapie arbeite ich zu Beginn mit Maßnahmen der kognitiven Verhaltenstherapie um eine möglichst rasche Abheilung der Symptome zu erreichen. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen greifen meiner Erfahrung nach jedoch für einen dauerhaften Behandlungserfolg oft zu kurz. Ich integriere deshalb die verhaltenstherapeutischen Maßnahmen in eine grundsätzlich psychodynamische Psychotherapie. Die psychodynamische Psychotherapie beschäftigt sich mit der Erkennung und Behandlung der hinter den Symptomen stehenden Emotionen.

Durch diese Kombination von Maßnahmen lassen sich die Symptome eines überlastungsbedingten Erschöpfungssyndroms sowohl rasch als auch nachhaltig behandeln

Was ist eine Erschöpfungsdepression?

Bei einer Erschöpfungsdepression kommt es zu folgenden Symptomen:

  • Erschöpfung
  • Antriebsmangel
  • gedrückter Stimmung
  • Interessenverlust
  • Konzentrationsstörungen
  • Selbstwertzweifel
  • Schuldgefühle
  • Pessimismus
  • Schlafstörungen
  • Appetitmangel oder Heißhunger

Dabei können die Symptome eines Erschöpfungssyndroms ebenfalls vorhanden sein.

Die Behandlung einer Erschöpfungsdepression

Bei einem Erschöpfungssyndrom äußern sich die Symptome vorwiegend körperlich, bei einer Erschöpfungsdepression vorwiegend psychisch. Die Behandlungsmaßnahmen sind bei beiden Krankheitsbildern ähnlich. Auch bei einer Erschöpfungsdepression ist eine umgehende psychotherapeutische Behandlung erforderlich, welche im Bedarfsfall durch eine geeignete Medikation unterstützt werden sollte.

Stressmedizin bei Burnout

Durch eine lang andauernde Stressbelastung kann es zu verschiedenen Anpassungsprozessen des Organismus kommen. Die Reaktion auf eine hohe Stressbelastung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und hängt auch von der Genetik und der individuellen Vorerfahrung ab. So reagiert ein Individuum auf Stress mit einem Anstieg des Stresshormons Cortisol, bei einem anderem fällt die Konzentration von Cortisol unter Stress aber ab. Andere Menschen reagieren wiederum überhaupt nicht mit der Cortisol-Achse. Bei diesen Menschen fällt dann beispielsweise die Serotoninkonzentration im Gehirn ab oder es kommt zu einer Überaktivierung des vegetativen Nervensystems. Es gibt also auf physiologischer Ebene kein „allgemeines Anpassungssyndrom“ (general adaption syndrome) wie es zunächst vom Begründer der Stresskonzepts Hans Selye angenommen wurde. Auch im psychischen Bereich gibt es keine spezifische Reaktion auf Stress und jeder Mensch reagiert unterschiedlich.

Die hormonellen und vegativen Veränderungen lassen sich aus den vorliegenden Symptomen nicht erschließen. Mit den heute zur Verfügung stehenden Techniken lassen sich die stressbedingten Veränderungen aber zuverlässig messen. Die Messung dieser Veränderungen ermöglicht dann eine deutlich individuellere Behandlung. So gibt es Nährstoffe, naturheilkundliche Präparate oder Medikamente, welche das Cortisol erhöhen oder absenken. Es gibt aber auch Präparate, welche die Serotoninkonzentration im Gehirn erhöhen oder das vegetative Nervensystem beruhigen. Auch die psychotherapeutischen Maßnahmen zur Verbesserung der Stressbewältigung können auf die im Einzelfall vorliegenden Veränderungen abgestimmt werden und so an Wirksamkeit gewinnen.

Die Messung der im Einzelfall veränderten Parameter ermöglicht eine deutlich spezifischere Behandlung.

Im Rahmen der stressmedizinischen Diagnostik besteht eine langjährige Zusammenarbeit mit Prof. Hellhammer und dem Forschungsinstitut daacro in Trier. Teilweise arbeite ich auch mit dem von Prof. Hellhammer entwickelten Testkit Neuropattern. Dabei kann die gesamte Neuropattern-Diagnostik in der Praxis in München durchgeführt werden.

Allgemein empfehlen sich bei zu hoher Stressbelastung Maßnahmen zur Stressreduktion und zur Verbesserung der Stressbewältigung.

In Folge der stressmedizinischen Diagnostik können aber noch zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden mit deren Hilfe sich der Heilungsprozess oft deutlich beschleunigen lässt:

  • Nährstoffe wie L-Tryptophan
  • Pflanzliche Präparate wie Rhodiolan
  • Spezifische Medikamente wie Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)