Der Teufelskreis der Überlastung

Der Teufelskreis der Überlastung

Im Zustand der Überlastung sind Gedankengänge und Handlungen oft nicht mehr zielführend. Es kommt zu Grübeln, Gedankenkreisen und innerer Anspannung. Dies führt häufig zu Schlafstörungen wodurch die Erholsamkeit des Schlafs nachlässt. Hierdurch sinkt die Leistungsfähigkeit und die Fähigkeit zur Problemlösung. Dies erhöht wiederum „den Andruck“, es werden Dinge verschoben, uneffektiv bearbeitet oder bleiben unerledigt liegen. Letztlich kann dies zu einem überlastungsbedingten Erschöpfungszustand oder einem Erschöpfungssyndrom führen. Dabei wird die Behandlung umso schwieriger und langwieriger, desto weiter der Prozess bei Behandlungsbeginn bereits fortgeschritten ist.

Die Folgen von Überlastung

Eine vorübergehende Überlastung stellt – abgesehen von einem schweren Trauma – üblicherweise keine Gesundheitsgefährdung dar. Problematisch wird Überlastung wenn diese sehr hoch wird und über längere Zeit anhält. Auf psychischer Ebene kann Überlastung zu einem Erschöpfungszustand oder einem Erschöpfungssyndrom führen. Zudem kann anhaltende Überlastung auch den Boden für die Entwicklung einer Angststörung bereiten. Unter Überlastung können sich auch psychosomatische Symptome entwickeln und chronifizieren. Nicht zuletzt kann dauerhafte Überlastung im Zusammenwirken mit anderen Faktoren auch zu zahlreichen körperlichen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Darmerkrankungen oder immunologischen Erkrankungen führen.

Wann und wie ist die Überlastung zu behandeln?

Überlastungssymptome sind keine Krankheit sondern sind als Warnzeichen zu verstehen. Bei anhaltender Überlastung können verschiedene psychische und körperliche Erkrankungen entstehen, weshalb über längere Zeit anhaltende Überlastungszustände zu vermeiden sind. Oft sehen die Betroffenen selbst aber keinen Weg aus der Überlastung und hier kann eine frühzeitige Behandlung die entscheidende Hilfe darstellen und das Auftreten einer Erkrankung verhindern helfen. Mit gezielt eingesetzten psychotherapeutischen Techniken kann der Teufelskreis meist rasch durchbrochen und die Entwicklung einer psychischen oder körperlichen Erkrankung verhindert werden. Im Bedarfsfall kann der Heilungsverlauf mit geeigneten Medikamenten unterstützt werden. Eine Medikation kann insbesondere bei Schlafstörungen und starker innerer Unruhe rasch Entlastung bringen und so dabei helfen den Teufelskreis möglichst rasch zu unterbrechen damit es wieder aufwärts gehen kann. Für die Abheilung reiner Überlastungssymptome sind meist zwischen 10 und 25 Behandlungsstunden erforderlich.

Liste psychosomatischer Symptome

Psychosomatische Symptome finden sich quer durch sämtliche medizinische Fachgebiete. Sie werden dort häufig auch als „funktionelle Symptome“ bezeichnet.

Verdauungssystem

  • Trockener Mund und trockener Hals
  • Würgereiz bei der Nahrungsaufnahme
  • Sodbrennen
  • Schluckstörungen
  • Luftschlucken, Blähungen, Aufstoßen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Reizmagen
  • Reizdarm
  • Gefühl des geblähten Bauches
  • Verstopfung
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Schmerzen im Bereich des Anus
  • Inkontinenz

Herz-Kreislauf-System

  • Herzrasen
  • Herzstolpern und Herzrhythmusstörungen
  • Blutdruckanstieg und Blutdruckkrisen
  • Engegefühl der Brust
  • Kreislaufkollaps

Atmung

  • Atembeschwerden
  • Atemnot
  • Übermäßig schnelle Atmung (Hyperventilation)
  • Husten

Nervensystem

  • Kloß- oder Engegefühl im Hals (Globusgefühl)
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Herabgesetzte Sensibilität wie Taubheit der Haut (Hypästhesien)
  • Erhöhte Sensibilität wie Schmerzen bei Berührung (Hyperästhesie)
  • Nagel-Gefühl im Bereich der Kopfhaut („Clavus-Gefühl“)
  • Bewegungsstörungen und Lähmungserscheinungen
  • Plötzliche Ohnmacht (Synkopen)
  • Muskelzuckungen insbesondere des Augenlides
  • Standunfähigkeit (Astasie)
  • Gangunfähigkeit (Abasie)
  • Gangstörungen
  • Krampfanfälle
  • Kopfschmerz und Migräne
  • Zittern (Tremor)

Bewegungsapparat

  • Muskelverspannungen
  • Nackenschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Kreuzschmerzen
  • Schmerzen der Band- und Muskelansätze

Hals, Nasen und Ohren

  • Hörstörungen
  • Riechstörungen
  • Stimmstörungen (Dysphonie)
  • Stimmlosigkeit (Aphonie)
  • Haut
  • Vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrosis)
  • Juckreiz (Pruritus)

Frauenheilkunde

  • Blutungs- und Zyklusstörungen
  • Prämenstruelles Syndrom (Brustschwellung/Brustspannung, Ödeme, Kopfschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Gewichtszunahme, gesteigerter Appetit, Nervosität, Reizbarkeit, Aggressivität, Angst)
  • Schmerzhafte Regelblutung (Dysmenorrhoe)
  • Schmerzen im Unterbauch
  • Verkrampfungen im Unterbauch
  • Sexuelle Funktionsstörungen

Urologie

  • Reizblase
  • Brennen der Harnröhre
  • Druckgefühl und Schmerzen im Genitalbereich
  • Schwierigkeiten beim Entleeren der Blase (Miktionsstörungen)
  • Schmerzen im Bereich der Prostata (Prostatitissyndrom)
  • Krampfartige, brennende und pochende Schmerzen im Bereich der Harnröhre (Urethralsyndrom)
  • Harnverhalt
  • Sexuelle Funktionsstörungen

Zahnmedizin

  • Kiefergelenksbeschwerden und Gesichtsschmerz (orofaziales Schmerzyndrom)
  • Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Mißempfindungen im Bereich der Mundschleimhaut

Erschöpfungsdepression

Erschöpfungsdepressionen sind an sich auch sehr gut behandelbar. Die Betroffenen finden aber aus verschiedenen Gründen oft nicht den Weg in eine professionelle Behandlung. So neigen gerade der leistungsbereite Menschen nicht zum Klagen, haben ein hohes Verantwortungsgefühl und eine hohe Selbstkontrolle. Die Betroffenen „funktionieren“ dann einfach weiter obwohl andere Menschen mit einem Bruchteil der Sypmptome bereits Hilfe suchen würden. Aufgrund der positiven Ausstrahlung der Betroffenen merken oft selbst Angehörige nichts von der Entwicklung. Laienhelfer wie Coachs sind für die Erkennung derartiger Zustände in keiner Weise ausgebildt und selbst Ärzte und Psychotherapeuten übersehen meiner Erfahrung nach häufig das Vorliegen einer Erschöpfungsdepression. Dies gilt besonders, wenn die Betroffenen nicht unter Antriebslosigkeit sondern Ruhelosigkeit leiden und sich selbst ihren Zustand nicht eingestehen wollen. Teilweise führt dies zu katastrophalen Entwicklungen wie man an den immer wieder vorkommenden Selbstmorden von sehr leistungsbereiten Menschen wie Marin Senn, Pierre Wauthier, Axel Widmer, Calogero Gambino, Chung Mong Hun, Adolf Merckle oder Heinz-Joachim Neubürger auf tragische Weise erkennen kann. Bei diesen Menschen handelte es sich – meines Wissens nach – nicht wie bei Robert Emke oder Robin Williams um Menschen mit einer vorbestehenden Depression, sondern um Menschen welche unter massiver Überlastung keinen anderen Weg mehr sahen. In Japan wird der „Tod durch Überarbeitung“ als „Karoshi“ bezeichnet. All diese Todesfälle wären durch eine professionelle Behandlung wohl verhinderbar gewesen.