Apps bei Stress, Burnout, Angst und Depression

„Der Markt für Gesundheitsapps jeglicher Natur boomt. Über 300.000 davon sollen inzwischen verfügbar sein, zahlreiche von ihnen versprechen Unterstützung für die Seele. Die oftmals positiven Ratings anderer Nutzer in den App-Stores täuschen aber über eine wichtige Tatsache hinweg: Für die allerwenigsten Anwendungen ist ein klinischer Nutzen erwiesen, und für wohl keine unter ihnen sind die langfristigen Folgen ihrer Nutzung abzuschätzen, seien sie positiver oder negativer Natur. Von 3.000 in einem App-Store verfügbaren Apps für die Psyche arbeiten laut einer Studie nur acht evidenzbasiert. Eine andere Übersichtsarbeit beleuchtete 1.000 Apps gegen Depressionen: Nur für 30 davon war die klinische Wirksamkeit in Studien belegt. Und die Qualität vieler Studien lässt offenbar zu wünschen übrig.“ (NZZ vom 10. Juli 2019, Apps gegen psychische Leiden bergen noch viele Risiken, Internationale Ausgabe, S. 34)

Häufigkeit von psychischen Erkrankungen und Burnout

„Im Versorgungssystem ist insgesamt eine Zunahme der Diagnosen und Behandlungen im Zusammenhang mit psychischen Störungen zu beobachten. Die stationären Fälle nehmen ebenso zu wie die Psychopharmaka-Verordnungen oder die die krankheitsbedingten Frühberentungen aufgrund psychischer Störungen. Gleichwohl deuten die Survey-Daten des Robert-Koch-Instituts darauf hin, dass die Erkrankungshäufigkeit an sich nicht zunimmt. Vielmehr scheinen die Verbesserung des diagnostisch-therapeutischen Angebots und eine partielle Enttabuisierung psychischer Störungen die vorhandene Krankheitslast sichtbar zu machen, was eine positive Entwicklung darstellt. (…) Bei der in den Medien oft hervorgehobenen Zunahme der Burnout-Fälle unter den Krankschreibungen ist (…) zu berücksichtigen, dass dies eine Zusatzdiagnose zu einer Grunderkrankung wie z.B. einer Depression ist und die entsprechende ICD-Ziffer Z73.0 lange Zeit kaum genutzt wurde, d.h. hier tritt auch ein Wandel des Kodierverhaltens in Erscheinung.“ (Nervenheilkunde 2019; 38: S. 462).

Hochwirksamer Behandlungsansatz

Hochwirksame Psychotherapie

Stress, Burnout, Angst und Depression lassen sich psychotherapeutisch hervorragend behandeln. Meist sind hierzu nur 10 bis 25 Behandlungsstunden notwendig. Eine derart hohe Wirksamkeit ist jedoch nur mit einer bestimmten Vorgehensweise zu erreichen. Folgende drei Punkte sind dabei von entscheidender Bedeutung:

  1. Diagnostische Abklärung

    Die Richtigkeit der Diagnose entscheidet bereits wesentlich über den späteren Behandlungserfolg. Der erste Schritt ist deshalb immer eine kompetente und sorgfältige diagnostische Abklärung. Im Rahmen der Diagnostik ist abzuklären, welches Beschwerdebild genau vorliegt und welche psychischen und ggf. auch körperlichen Krankheitsursachen für das Beschwerdebild verantwortlich sind.

  2. Behandlungsplanung

    In Abhängigkeit von der Diagnose und den Hintergründen der Symptomatik, kann dann das passende psychotherapeutische Verfahren gewählt werden. Auch dieser Schritt ist entscheidend für den Behandlungserfolg. So lassen sich bestimmte Symptome mit bestimmten psychotherapeutischen Verfahren nachweislich innerhalb weniger Stunden zur Abheilung bringen. Mit anderen psychotherapeutischen Verfahren ist bei dem gleichen Beschwerdebild auch nach Hunderten von Behandlungsstunden keine wesentliche Besserung zu erwarten. Hier ist deshalb von der weit verbreiteten „zufälligen“ Verfahrenswahl dringend abzuraten.

  3. Integrierte Psychotherapie

    Auf Basis der richtigen Diagnose und des passenden psychotherapeutischen Verfahrens können dann die Symptome und deren Hintergründe gezielt behandelt und zur Abheilung gebracht werden. Hier haben methodenübergreifende Behandlungsansätze auf Basis des passenden psychotherapeutischen Verfahrens die höchste Wirksamkeit. Dennoch sind integrierte Behandlungsansätze im ambulanten Bereich bis heute die Ausnahme.

Nach heutigem Kenntnisstand verspricht die beschriebene Vorgehensweise mit Abstand die besten Behandlungserfolge. Das Behandlungskonzept der Praxis für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie wurde deshalb konsequent nach diesen Erkenntnissen ausgerichtet und der Behandlungserfolg wird so nicht „dem Zufall“ überlassen.

Behandlungsangebote in München

In München gibt es laut Jameda ca. 2.400 Leistungsanbieter in Bezug auf Psychotherapie. Das hört sich erst einmal viel an, die Zahl schmilzt bei genauerer Betrachtung aber rasch zusammen. So hat ein wesentlicher Teil der dort genannten Leistungsanbieter gar keine anerkannte psychotherapeutische Ausbildung. Diese Verwirrung ist möglich, da in Deutschland der Begriff „Psychotherapie“ in keiner Weise geschützt ist. Nur die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ ist gesetzlich geschützt. Für den Patienten birgt diese Unübersichtlichkeit ein erhebliches Risiko, da der Behandlungserfolg wesentlich von der Qualifikation des Psychotherapeuten abhängt und qualitativ schlechte Psychotherapie auch schaden kann. Deshalb hier ein Überblick über die drei wichtigsten Berufsgruppen mit nachgewiesener psychotherapeutischer Ausbildung:

  • Psychologische Psychotherapeuten

    Psychologische Psychotherapeuten haben Psychologie und nicht Medizin studiert. Das Leistungsangebot umfasst Psychotherapie. Tiefergehende medizinische Kenntnisse sind aufgrund des ausschließlich psychologischen Ausbildungshintergrunds nicht vorhanden. Psychologen können keine Medikamente verschreiben. Die meisten Psychotherapeuten in München sind Psychologen.

  • Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie

    Psychiater haben Medizin studiert und sich anschließend auf Psychiatrie spezialisiert. Psychiater behandeln üblicherweise schwere psychische Erkrankungen und sind die Spezialisten für Psychopharmaka. Die meisten Psychiater in München arbeiten mit Kurzterminen und bieten keine Richtlinien-Psychotherapie an.

  • Fachärzte für Psychosomatik und Psychotherapie

    Fachärzte für Psychosomatik und Psychotherapie haben erst Medizin studiert und sich dann langjährig auf Psychotherapie spezialisiert. Sie bilden damit in unserem Gesundheitswesen quasi ein „Hybrid“ zwischen Psychologen und Psychiatern. Fachärzte für Psychosomatik und Psychotherapie sind in der Versorgungslandschaft aber weiterhin eine Seltenheit.