Panikattacken durch Hormonspirale

„Panikattacken sind eine bislang kaum bekannte Störwirkung von Levonorgestrel-Intrauterinpessaren (IUP; MIRENA u.a.), die zur Empfängnisverhütung und zum Teil auch bei Hypermenorrhö zugelassen sind. Ein deutliches Risikosignal kommt jetzt aus dem Pharmakovigilanzzentrum der Weltgesundheitsorganistation (WHO) in Uppsala. Bis November 2018 sind der WHO 602 Berichte zu Panikattacken aus 22 Ländern Europas, Amerikas u.a. zugegangen. (…) Die Beschwerden treten bisweilen bereits zwei Wochen nach Einlage des IUPs auf, im Median nach fünf Monaten. Fast immer (98%) ist das Levonorgestrel-IUP das einzige verdächtige Arzneimittel. Oft wird gleichzeitig über weitere psychiatrische Beschwerden wie Depression oder depressive Verstimmung, Angst, Stimmungsschwankungen und/oder Suizidgedanken berichtet. Die Panikattacken werden in 62 % der Berichte als schwer eingestuft und können die Lebensqualität stark beeinträchtigen: Beispielsweise war eine 37-jährige Frau mehr als ein Jahr lang in psychiatrischer Behandlung, da der Gynäkologe keinen Zusammenhang zwischen IUP und Panikattacken sah. Bei einer 29-Jährigen wurde Burnout diagnostiziert. Bei beiden Frauen – und auch anderen – besserten sich die Beschwerden nach Entfernen des IUPs. (…) In den Fachinformationen von MIRENA und anderen IUP fehlen (…) Hinweise auf Panikattacken, Angst, Ruhelosigkeit u.a., während Depression „als allgemein bekannte“ Störwirkung hormoneller Kontrazeptiva genannt wird. (…) Angesichts der mehr als 600 Berichte zu auch schweren, die Lebensqualität beeinträchtigenden Panikattacken in Verbindung mit Levonorgestrel-Spiralen sollten Patientinnen und Ärzte in den Produktinformationen über die vorhandenen Risikosignale informiert werden, auch um die Gefahr von unnötigen Behandlungen aufgrund Unkenntnis der psychiatrischen Störwirkungen zu verringern.“

arznei-telegramm vom 21. Februar 2020, S. 16