• Depression

Neben überlastungsbedingten Depressionen gibt es auch Depressionen ohne erkennbare Belastung.

Die Depression zählt zu den fünf häufigsten Erkrankungen

Die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken liegt bei Männern bei 10 % und bei Frauen bei 20 %. Dennoch werden Depressionen häufig übersehen oder bagatellisiert. Dies ist tragisch, da Depressionen einen massiven Verlust von Lebensqualität darstellen und die Erkrankung eigentlich gut behandelbar wäre.

Welche Formen der Depression gibt es?

Nach der akutell gültigen international gültigen Klassifikation von Erkrankungen (ICD-10) wird eine Depression ausschließlich über deren Symptome diagnostiziert. Das war nicht immer so. In der bis 1998 gültigen ICD-9 wurde noch zwischen einer von innen kommenden („endogenen“) und einer auf Belastung zurückzuführenden („reaktiven“) Depression unterschieden. Obwohl diese Entwicklung die Zuverlässigkeit der Diagnose bei unterschiedlichen Untersuchern sicherlich verbessert hat, gehen mit der rein beschreibenden Einteilung auch deutliche Nachteile einher. So erlaubt die heutige Einteilung keine ursächliche Zuordnung mehr. Damit hat die Diagnose für die Behandlungsplanung nur eine sehr eingeschränke Bedeutung. Entscheidend für die Behandlungsplanung ist eine ursächliche Zuordnung.

Wenn die Depression tatsächlich „von innen“ („endogen“) käme und sich keine psychische Belastung finden ließe, wäre es tatsächlich naheliegend vorwiegend mit Medikamenten zu therapieren. Wenn sich jedoch eine psychische innere oder äußere Belastung finden ließe, wäre eine psychotherapeutische Behandlung naheliegend. Dieses Problem ist in Fachkreisen auch hinreichend bekannt, man hat sich aber dennoch für diese Einteilung entschieden. Die Einteilung ohne ursächliche Zuordnung hat insbesondere entscheidende Vorteile bei pharmakologischen Studien da hier die Diagnose eben viel weniger vom Untersucher abhängt und mehr oder weniger von einen geschulten Laien erhoben werden kann. Dies wäre bei einer ursächlichen Zuordnung unmöglich. Für eine ursächliche Diagnose benötigt man einen Spezialisten.

Was sind die typischen Symptome einer Depression?

  • Gedrückte Stimmung und Traurigkeit
  • Interessenverlust, Freudlosigkeit
  • Verminderung des Antriebs, Energielosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle
  • Pessimistische Zukunftsperspektive, Todessehnsucht
  • Schlafstörungen, verminderten Appetit und sexuelle Lustlosigkeit

Dabei müssen für zur Diagnosestellung nur wenige der genannten Symptome über mehrere Wochen vorhanden sein. Depressionen können auch mit gesteigertem Antrieb und innerer Unruhe einhergehen (sog. agitierte Depression).

Welche Rolle spielen körperliche Faktoren bei Depression?

Beim Vorliegen einer Depression ist eine zu den Symptomen führende körperliche Erkrankung kompetent und zuverlässig auszuschließen.So könnnen zahlreiche körperliche Erkrankungen wie beispielsweise neurologische Erkrankungen, Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, Erkrankungen des Immunsystems, hormonelle Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Herz- und Lungenerkrankungen, Infektionserkrankungen und Medikamente zu Depressionen führen. Zudem können vorliegende körperliche Erkrankungen wie ein Herzinfarkt oder eine Krebserkrankung in der Folge zu Depressionen führen („somatopsychische Wirkung“). Das Vorliegen einer Depression kann aber auch entscheinenden Einfluss auf den Verlauf der körperlichen Erkrankung haben („psychosomatische Wirkung“). Dies kennt man besonders von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Lässt sich eine Depression psychotherapeutisch behandeln?

Dies hängt eben von der vorliegenden Form der Depression ab. Es gibt tatsächlich schwere und chronifzierte Formen der Depression welche sich kaum mehr psychotherapeutische beeinflussen lassen. Akute depressive Episoden in leichtem bis mittlerem Schweregrad lassen sich hingegen in Regel sehr gut psychotherapeutisch beenflussen und sind eine Domäne der Psychotherapie. Wichtig ist dabei eine möglichst frühzeitige Behandlung. Umso länger die Depression besteht und um so mehr depressive Episoden bereits aufgetreten sind, desto schwieriger ist eine zu einer Heilung führende psychotherapeutische Behandlung. Bei jeder depressiven Episode bilden sich sozusagen „Spuren im Gehirn“ welche sich bei Belastung dann später wieder rasch aktivieren lassen. Deshalb ist bei schweren Depressionen auch die medikamentöse Rezidivprophylaxe von entscheidender Bedeutung.

Wie entsteht eine Depression?

Bei der Depression findet sich bei Untersuchung durch einen Spezialisten in der Regel eine Auslösesituation und eine entsprechende Vorgeschichte. Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell beschreibt auf einem hohen Integrationsniveau die Entstehung einer Depression. Vulnerabilität meint dabei die individuelle „Verletzlichkeit“ aufgrund der Erbanlage und dem biographischen Hintergrund. So bildet ein an Depression erkrankter Elternteil einen genetischen Risikofaktor für die Entstehung einer Depression. Zudem beeinflusst die biographische Entwicklung entscheidend die Vulnerabilität. So kann ein Neugeborenes zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung für die medizinische Behandlung schon kurz nach der Geburt von der Mutter entfernt worden sein. Dies hinterlässt eine für den Betroffenen nicht zu erinnernde Trennungsangst (Vulnerabilität). Nun kann es beispielsweise später zu der Trennung einer langjährigen Partnerschaft kommen. Hierdurch kommt es zu einer Belastung („Stress“) welche bei der individuellen Vorgeschichte („Vulnerabilität“) eben zu einer Depression führt. Für den Betroffenen ist dabei die Ursache der Symptome meist unbekannt.

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell fasst den beschriebenen Zusammenhang konzeptuell zusammen: Ohne die Vulnerabilität hätte die Belastung nicht zu einer Depression geführt und ohne Belastung hätte die Vulnerabiliät nicht zu einer Depression geführt.

Wie funktioniert eine psychodynamische Psychotherapie bei Depression?

Im Rahmen einer psychodynamischen Psychotherapie können die Zusammenhänge erkannt, verstanden und bearbeitet werden. Oft stellt allein schon das Verstehen eine erhebliche Entlastung dar, da der Betroffene sich dann nicht auch noch zusätzlich die Schuld an seiner Erkrankung gibt.

Durch das Verstehen der Zusammenhänge ändert sich aber typischerweise auch die innere Bewertung der Auslösesituation. Psychodynamische Langzeittherapien in hoher Frequenz haben auch einer Veränderung der Vulnerabilität zum Ziel. Im Verlauf der psychodynamischen Psychotherapie heilen die depressiven Symptome in der Regel ab.

Welches psychotherapeutische Verfahren empfiehlt sich bei Depressionen?

Es gibt unterschiedliche Formen der Depression und die Wahl des Verfahrens hängt wesentlich von der vorliegenden Erkrankung und den Entstehungsbedingungen zusammen. Grundsätzlich ist das Erreichen rascher Symptomkontrolle die Domäne der kognitiven Verhaltenstherapie. Gleichzeitig findet sich aber regelmäßig auch ein psychodynamischer Hintergrund. Entscheidend für die Wahl des psychotherapeutischen Verfahrens ist jedoch neben der Symptomatik die Zielsetzung des Betroffenen (Beispiel).

Wann sind Medikamente hilfreich?

Bei leichten und mittelschweren Depressionen empfiehlt sich eine Bedarfsmedikation zur Wiederherstellung eines erholsamen Schlafs und zur Reduktion der inneren Unruhe. Bei schweren depressiven Episoden oder bei psychotherapeutischer Therapieresistenz kann eine antidepressive Medikation eine große Hilfe darstellen und die lang ersehnte Wende bringen. Sowohl bei der Bedarfsmedikation als auch bei einer antidepressiven Medikation kann zunächst auf rein pflanzliche Präparate zurückgegriffen werden.

Wie passt Psychotherapie und Medikation zusammen?

Grundsätzlich steht eine psychotherapeutsche Behandlung nicht in Widerspruch zu einer medikamentösen Behandlung. Dies gilt insbesondere für verhaltenstherapeutische Ansätze da hier sowohl das Therapieverfahren als auch die Medikation eine Symptomreduktion zum Ziel haben. Schwieriger wird die Vereinbarkeit bei psychodynamischen Verfahren. Bei leichten und mittelschweren Depressionen habe ich mit den Jahren eine eher kritische Haltung entwickelt.

Der Psychotherapieforscher Prof. Klaus Grawe schreibt hierzu:

„Dass Psychotherapie allein, ganz ohne Einbezug von Pharmaka in vielen Fällen gut wirkt, schließt darüber hinaus nicht aus, dass sie nicht mit spezifischer Begleitung durch Psychopharmaka noch besser wirken könnte. Die soeben ausgeführte Logik ist jedoch nicht umkehrbar. Die Anwendung von Psychopharmaka allein, ohne fachlich kompetente Einflussnahme auf die Erfahrungen, die der Patient unter der medikamentösen Behandlung macht, kann neurowissenschaftlich nicht stichhaltig begründet werden.“ (Prof. K. Grawe: Neuropsychotherapie. Göttingen 2004, S. 21)

Als Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie biete ich auf diesem Hintergrund nach sorgfältiger Abwägung im Einzelfall Psychotherapie und Medikation „aus einer Hand“ an. Dies erspart unnötige „Reibungsverluste“ zwischen unterschiedlichen Behandlern, sichert eine integrierte Behandlung und schafft damit meiner Erfahrung nach die besten Voraussetzungen für gute Behandlungserfolge.

Sie möchten einen Termin vereinbaren? Sehr gerne kläre ich in einem persönlichen Gespräch, wie ich Ihnen helfen kann.