• Ergänzende Medikation

Mit Hilfe einer sorgsam ausgewählten Medikation kann die psychotherapeutische Behandlung hochwirksam unterstützt werden.

Unter einer medikamentösen Augmentation einer psychotherapeutischen Behandlung versteht man eine die Psychotherapie begleitende medikamentöse Behandlung zur Verstärkung der Wirkung der Psychotherapie. Über eine medikamentöse Begleitung der Psychotherapie mit einer geeigneten Medikation sind erheblich bessere Behandlungserfolge möglich. Die Medikation kann mit dem Erreichen der Behandlungsziele dann auch wieder abgesetzt werden wobei die Besserung dann aber eben anhält. Es handelt sich bei der medikamentösen Augmentation also nicht um eine Symptombehandlung, sondern um eine hochwirksame Unterstützung des psychotherapeutisch induzierten Heilungsprozesses.

Zur Augmentation können teilweise auch bestimmte Nährstoffe wie Tryptophan oder pflanzliche Präparate verabreicht werden. Die höchsten Wirkungen sind jedoch mit bestimmten Arzneimitteln zu erzielen. Dabei beinhalten die für die Augmentation verwendeten Arzneimittel keinerlei Abhängigkeitsrisiko. Dies bedeutet, dass die Medikamente problemlos jederzeit wieder schrittweise abgesetzt werden können.

Eine medikamentöse Augmentation kann mit folgenden Zielsetzungen erfolgen:

  1. Symptomkontrolle innerhalb kurzer Zeit
    Die Augmentation kann dabei für eine rasche Symptomkontrolle und damit für zeitnahe Behandlungserfolge eingesetzt werden. So dauert es in der Regel einige Wochen bis die Wirkung der psychotherapeutischen Behandlung eintritt. Die medikamentöse Augmentation wirkt jedoch innerhalb von Stunden bis Tagen. Es kann so also die Zeit bis zum Wirkungseintritt der Psychotherapie überwunden und die Medikation dann wieder abgesetzt werden. Diese Funktion hat die Augmentation häufig bei Schlafstörungen.
  2. Symptomkontrolle bei ausgeprägten Symptomen
    Mit einer Augmentation können auch Symptome unter Kontrolle gebracht werden, welche sich aufgrund ihrer Art oder dem Grad der Ausprägung durch die Psychotherapie erst einmal als kaum beeinflussbar erweisen. Dies gilt beispielsweise bei starken Ängsten, starker innerer Unruhe, Reizbarkeit, Erschöpfungszuständen oder Depressionen.
  3. Ermöglichung korrigierender Erfahrungen
    Zudem können durch eine medikamentöse Augmentation durch die Psychotherapie geförderte Erfahrungen ermöglicht werden, welche ohne die Medikation nicht möglich wären. So meiden beispielsweise Patienten mit Angsterkrankungen bestimmte Situationen was dann wiederum die Ängste zunehmend verstärkt. Gleichzeitig fühlen sich die Betroffenen oft aber nicht in der Lage sich der Situation zu stellen um so wirksam den Teufelskreis der Angst zu durchbrechen. Hier kann die medikamentöse Augmentation die Ängste lindern und hierdurch sozusagen die psychotherapeutisch angezielte Exposition erst möglich machen.

Insgesamt stellt die medikamentöse Augmentation eine hochwirksame Möglichkeit dar, die Symptome bzw. die Erkrankung rasch unter Kontrolle zu bringen. Dies gelingt meist innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen.

Nach erfolgreicher Symptomkontolle sollten aber die Hintergründe geklärt und behandelt werden damit auch ein nachhaltiger Behandlungserfolg erzielt wird und die Medikation wieder abgesetzt werden kann. Von einer medikamentösen Behandlung ohne Psychotherapie rate ich bei den vor mir behandelten Symptomen bzw. Krankheitsbildern (Stresssymptome, Schlafstörungen, Burnout, Angststörungen und Depressionen) ab. Eine psychotherapeutische Behandlung ohne Medikation ist jedoch häufig schon für sich alleine sinnvoll.

Dabei ist auch eine kompetent durchgeführte Psychotherapie für sich allein gesehen sehr gut wirksam. Auch eine Medikation hat bei der richtigen Anwendung eine sehr hohe Wirksamkeit. Gemeinsam geht die Wirkung durch Synergieeffekte jedoch noch einmal über eine bloß additive Wirkung hinaus.

Die medikamentöse Augmentation „schiebt“ sozusagen die Psychotherapie an und verleiht ihr eine höhere Wirksamkeit. Wenn die Psychotherapie auch ohne Medikation zu guten und sehr guten Behandlungserfolgen führt, ist eine Augmentation weder sinnvoll noch notwendig. Ich behandle deshalb in meiner Praxis häufig auch „nur“ psychotherapeutisch. Ab einem bestimmten Schweregrad oder in bestimmten Lebenssituationen kann aber die medikamentöse Augmentation eine erhebliche Hilfe darstellen und teilweise auch entscheidend für den Erfolg der psychotherapeutischen Behandlung sein.