• Psychosomatische Symptome

Brustschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Rückenschmerzen oder Atemnot haben häufig psychische Ursachen.

Psyche beeinflusst Körper

Psychosomatische Symptome sind psychisch verursachte körperliche Beschwerden. „Psychosomatisch“ bedeutet aber nicht, dass sich der Betroffene die Symptome „einbildet“. So führt eine akute Stressbelastung zu einer Erhöhung der Herzfrequenz. Das darauf folgende Herzrasen ist damit „psychosomatisch“ da es mit der Stressbelastung eine psychische Ursache hat. Durch eine Messung der Herzfrequenz bzw. der Herzschlagvariabilität wäre die „psychosomatische“ Veränderung auch objektiv messbar. Ähnlich verhält es sich mit anderen psychosomatischen Symptomen wie Kopfschmerzen oder Reizdarm. Auch hier können mit entsprechend empfindlicheren Verfahren die körperlichen Veränderungen objektiv gemessen werden. Die dafür verwendeten Untersuchungsmethoden müssen aber deutlich empfindlicher sein als sie derzeit in der ärztlichen Routineversorgung üblich sind. Psychosomatische Symptome entstehen also durch nachweisbare körperliche Veränderungen, haben aber psychische Ursachen.

Körper beeinflusst Psyche

Die Forschungsereignisse der letzten Jahre zeigen, dass die Wechselwirkungen zwischen Psyche und Körper „in beiden Richtungen“ gehen. So beeinflusst die Psyche den Körper, der Körper aber auch die Psyche. Besonders starke Auswirkungen auf die Psyche haben Veränderung des Herzens, der Atmung und des Darms. Der bereits im Jahr 1818 entstandene Begriff  „Psychosomatik“ erhält damit nach 200 Jahren eine neue Dimension.

Psychosomatische Symptome

Psychosomatische Symptome finden sich quer durch sämtliche medizinische Fachgebiete. Sie werden dort häufig auch als „funktionelle Symptome“ bezeichnet. Hier finden Sie eine Liste möglicher psychosomatischer Symptome:

Verdauungssystem

  • Trockener Mund und trockener Hals
  • Würgereiz bei der Nahrungsaufnahme
  • Sodbrennen
  • Schluckstörungen
  • Luftschlucken, Blähungen, Aufstoßen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Reizmagen
  • Reizdarm
  • Gefühl des geblähten Bauches
  • Verstopfung
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Schmerzen im Bereich des Anus
  • Inkontinenz

Herz-Kreislauf-System

  • Herzrasen
  • Herzstolpern und Herzrhythmusstörungen
  • Blutdruckanstieg und Blutdruckkrisen
  • Engegefühl der Brust
  • Kreislaufkollaps

Atmung

  • Atembeschwerden
  • Atemnot
  • Übermäßig schnelle Atmung (Hyperventilation)
  • Husten

Nervensystem

  • Kloß- oder Engegefühl im Hals (Globusgefühl)
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Herabgesetzte Sensibilität wie Taubheit der Haut (Hypästhesien)
  • Erhöhte Sensibilität wie Schmerzen bei Berührung (Hyperästhesie)
  • Nagel-Gefühl im Bereich der Kopfhaut („Clavus-Gefühl“)
  • Bewegungsstörungen und Lähmungserscheinungen
  • Plötzliche Ohnmacht (Synkopen)
  • Muskelzuckungen insbesondere des Augenlides
  • Standunfähigkeit (Astasie)
  • Gangunfähigkeit (Abasie)
  • Gangstörungen
  • Krampfanfälle
  • Kopfschmerz und Migräne
  • Zittern (Tremor)

Bewegungsapparat

  • Muskelverspannungen
  • Nackenschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Kreuzschmerzen
  • Schmerzen der Band- und Muskelansätze

Hals, Nasen und Ohren

  • Hörstörungen
  • Riechstörungen
  • Stimmstörungen (Dysphonie)
  • Stimmlosigkeit (Aphonie)
  • Haut
  • Vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrosis)
  • Juckreiz (Pruritus)

Frauenheilkunde

  • Blutungs- und Zyklusstörungen
  • Prämenstruelles Syndrom (Brustschwellung/Brustspannung, Ödeme, Kopfschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Gewichtszunahme, gesteigerter Appetit, Nervosität, Reizbarkeit, Aggressivität, Angst)
  • Schmerzhafte Regelblutung (Dysmenorrhoe)
  • Schmerzen im Unterbauch
  • Verkrampfungen im Unterbauch
  • Sexuelle Funktionsstörungen

Urologie

  • Reizblase
  • Brennen der Harnröhre
  • Druckgefühl und Schmerzen im Genitalbereich
  • Schwierigkeiten beim Entleeren der Blase (Miktionsstörungen)
  • Schmerzen im Bereich der Prostata (Prostatitissyndrom)
  • Krampfartige, brennende und pochende Schmerzen im Bereich der Harnröhre (Urethralsyndrom)
  • Harnverhalt
  • Sexuelle Funktionsstörungen

Zahnmedizin

  • Kiefergelenksbeschwerden und Gesichtsschmerz (orofaziales Schmerzyndrom)
  • Zähneknirschen (Bruxismus)
  • Mißempfindungen im Bereich der Mundschleimhaut

Diagnostik und Behandlung

Die genannten körperlichen Symptome könnten grundsätzlich auch durch eine körperliche Erkrankung verursacht sein. Im Rahmen der Diagnostik prüfe ich deshalb zunächst die bereits vorliegenden Befunde und schließe im Bedarfsfall noch bestimmte körperliche Erkrankungen aus. Von besonderer Bedeutung ist hier der Ausschluss von Erkrankungen der Schilddrüse.

Psychosomatische Symptome können unterschiedliche Hintergründe haben:

  • Psychosomatische Symptome im Rahmen von Angst und Depression
    Psychosomatische Symptome treten häufig im Rahmen von Angststörungen und Depressionen auf. Durch das zeitgleiche Auftreten fällt die diagnostische Zuordnung hier aber meist leicht. Die psychotherapeutische Behandlung ist in der Regel kein Problem.
  • Psychosomatische Symptome im Rahmen von Panikattacken
    Insbesondere bei Panikattacken kommt es oft zu massiven psychosomatischen Symptomen. Diese können sich „wie ein Herzinfarkt“ anfühlen. Die Betroffenen stellen sich deshalb häufig in Notaufanahmen oder bei Herzspezialisten vor. Bei Panikattacken kann das „namensgebende“ Gefühl von Panik und Angst auch fehlen. Es kommt dann „wie aus heiterem Himmel“ plötzlich zu Herzrasen, Engegefühl der Brust oder Schwindel. Die Zuordnung der körperlichen Symptome zu einer Panikstörung kann deshalb schwierig sein. Mit der richtigen Behandlungstechnik können Panikattacken heute sehr gut behandelt werden.
  • Psychosomatische Symptome ohne erkennbare psychische Belastung
    Noch schwieriger wird es, wenn die psychosomatischen Symptome unabhängig von psychischen Belastungen auftreten oder die Belastungen für den Betroffenen nicht erkennbar sind. Die Betroffenen gehen oft von Arzt zu Arzt ohne dass eine körperliche Krankheitsursache gefunden werden könnte. Derartige Symptome werden heute meist als „somatoforme Störungen“ bezeichnet. Auch somatoforme Störungen sind mit den richtigen Behandlungstechniken gut behandelbar. Entscheidend ist hier die frühzeitige Erkennung.