• Lebenskrisen

Die Krise bezeichnet eine problematische, mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation. Krisen stellen eine erhebliche Stressbelastung dar, stärken aber den Betroffenen bei erfolgreicher Bewältigung.

Psychische Krise

Eine psychische Krise oder eine Krisensituation ist ein durch ein überraschendes Ereignis oder akutes Geschehen hervorgerufener schmerzhafter seelischer Zustand oder Konflikt innerhalb einer Person (innerpsychische Krise) oder zwischen mehreren beteiligten Personen. Er entsteht, wenn sich eine Person oder eine Gruppe Hindernissen auf dem Weg zur Erreichung wichtiger Lebensziele oder bei der Alltagsbewältigung gegenübersieht und diese nicht mit den gewohnten Problemlösungsmethoden bewältigen kann.

Eine Krise in diesem Sinne äußert sich als plötzliche oder fortschreitende Verengung der Wahrnehmung, der Wertesysteme sowie der Handlungs- und Problemlösungsfähigkeiten. Eine Krise stellt bisherige Erfahrungen, Normen, Ziele und Werte in Frage und hat oft für die Person einen bedrohlichen Charakter. Sie ist zeitlich begrenzt.

Unter psychotherapeutischer Krisenintervention versteht man eine im Krisenfall rasch beginnende, kurz dauernde, intensive Psychotherapie

Psychotherapeutische Krisenintervention

Unter psychotherapeutischer Krisenintervention versteht man eine im Krisenfall rasch beginnende, kurz dauernde, intensive Psychotherapie bei der zielgerichtet der aktuelle Konflikt beziehungsweise der unmittelbare Auslöser wie zum Beispiel eine traumatische Erfahrung besprochen wird. Gleichzeitig wird angestrebt, eine Problembewältigung und akute Entlastung herbeizuführen. Dies kann zum Beispiel bei einem schweren Ehekonflikt ein klärendes Gespräch und eine unmittelbare Intervention beinhalten. Dabei sollen die aktuellen Leidenszustände gelindert und psychosoziale oder medizinische Folgen der Krise so gering wie möglich gehalten werden. Typischerweise befindet sich der Betroffene in einer Situation, die seine normalen Bewältigungskapazitäten übersteigt. Wichtig ist es daher, ihn in seinem individuellen Erleben ernst zu nehmen und konkrete Unterstützung in der Ausarbeitung und Umsetzung unmittelbarer Ziele zu geben.

Die Krisenintervention konzentriert sich im Wesentlichen auf das Hier und Jetzt. Dabei ist eine empathische (einfühlsame), wertschätzende Grundhaltung von großer Bedeutung. Neben der konkreten Entschärfung der dringlichsten Schwierigkeiten, zum Beispiel durch Problemlösestrategien oder Informationsvermittlung, ist eine Entlastung durch Aktivierung bestehender Ressourcen (die „individuellen Stärken und Kraftspender“) wesentlicher Bestandteil. Das kann die Vermittlung von Unterstützung durch Angehörige oder auch die Besinnung auf eigene Stärken sein. Kriseninterventionen sind als unmittelbare Entlastung oft sehr wirkungsvoll.

Eine psychotherapeutische Krisenintervention fokussiert die Behandlung also auf den akuten emotionalen und kognitiven Zustand des Patienten, sowie auf die Krisenauslöser und die vorhandenen Ressourcen. Sie ist per Definition eine zeitlich limitierte Intervention mit einem spezifischen, auf die unmittelbare Stabilisierung des Patienten ausgerichteten therapeutischen Vorgehen und sollte sofort bei Beginn der Krise bzw. möglichst rasch beginnen. Der Patient soll emotional entlastet und dessen Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit wiederhergestellt werden.

Praktisch stößt dies an viele Probleme, wie zu lange Wartezeiten bei niedergelassenen Psychotherapeuten sowie derzeitige Regelungen im Rahmen der Psychotherapie-Richtlinie, nach denen nur bei Vorliegen einer psychischen Erkrankung und nach erfolgter Kostenzusage psychotherapeutisch behandelt werden darf. Dies setzt probatorische Sitzungen zur diagnostischen und differenzialdiagnostischen Klärung voraus, die mit einer sofortigen Krisenintervention schwer zu vereinbaren sind. Hinzu kommt der explizite Ausschluss der Kostenübernahme von Lebens-, Erziehungs- und Eheberatung und von Maßnahmen, die ausschließlich der beruflichen Anpassung dienen. Daher konzentriert sich die psychotherapeutische Krisenintervention vor allem auf stationäre und teilstationäre Einrichtungen inkl. Institutsambulanzen der regional versorgenden psychiatrischen Akutkrankenhäuser. Aufgrund der derzeitigen Struktur und gesetzlich geregelten Organisation der ambulanten Psychotherapie sind Möglichkeiten der psychotherapeutischen Krisenintervention in psychotherapeutischen Praxen nahezu unmöglich. Aufgrund der strukturellen Rahmenbedingungen kann ich Krisenintervention nur für Selbstzahler anbieten. Bei privat versicherten Patienten kann ein Teil der Behandlungskosten in Form von probatorischen Sitzungen mit der privaten Krankenkasse abgerechnet werden.

Zunächst ist der Teufelskreis der Überlastung zu durchbrechen („Feuer löschen“). Dann können die Hintergründe geklärt werden („Brandursache klären“).

Der Teufelskreis der Überlastung

Im Zustand der Überlastung sinkt ab einem bestimmten Punkt die Leistungsfähigkeit und die Kreativität. Die Gedanken kreisen um die Probleme und es findet sich keine Lösung. Es kommt zu innerer Unruhe und Schlafstörungen. Dies senkt wiederum die Leistungsfähigkeit welche gerade jetzt so dringend benötigt würde. Zudem steigt die Fehlerquote und die Menge der Fehlleistungen. Hierdurch steigen die unerledigten Aufgaben und das Problem wird noch größer. Die Gedanken werden schneller, die Gedankengänge enger und eine Lösung der ganzen Probleme erscheint immer unrealistischer.

1. Die Unterbrechung des Teufelskreises

In der ersten Phase der Behandlung geht es darum, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Es geht hier erst einmal nur darum „das Feuer zu löschen“ und nicht darum dessen Ursache zu klären. Das entscheidende Gefühl bei der Entstehung eines Überlastungssyndroms ist das Gefühl der Ausweglosigkeit und der Ohnmacht. Überlastung entsteht wenn der Betroffene glaubt mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten die Situation nicht mehr kontrollieren zu können. Es handelt sich sozusagen um ein Armdrücken zwischen der andrückenden Belastung und den eigenen Kräften. Genau hier schafft die Inanspruchnahme professioneller Hilfe die entscheidende Wende. Plötzlich drücken sozusagen zwei Hände gegen die Belastung an. Plötzlich finden sich neue Lösungsansätze, das Gefühl der Ausweglosigkeit und der Ohnmacht sinkt und damit auch der Stress im Sinne der Überlastung.

Patienten mit Überlastungszuständen klagen oft über ausgeprägte Ein- und Durchschlafstörungen. Ein erholsamer Schlaf ist für eine rasche Besserung aber unbedingte Vorraussetzung. Teilweise helfen hier Maßnahmen der Psychohygiene oder verhaltenstherapeutische Techniken. Oft ist jedoch der Zustand bereits zu chronifiziert um damit rasch Besserung zu erreichen. Hier empfehle ich oft eine medikamentöse Behandlung, rate jedoch von den üblichen Schlafmitteln welche ein relevantes Suchtpotential haben ab. Zunächst können hier naturheilkundliche Präparate eingesetzt werden, meist sind jedoch mit niedrig dosierten Antidepressiva die raschesten Therapieerfolge möglich. Hierunter kommt es auch zu einem angenehmen und erholsamen Schlaf und nicht zu einer „Betäubung“ wie bei den üblichen Schlafmitteln. Dabei setze ich die Medikation üblicherweise nur über wenige Tagen oder Wochen an. Ist der erholsame Schlaf hergestellt, können die Antidepressiva auch rasch wieder abgesetzt werden. Nebenwirkungen treten mit modernen Präparten und sorgfältigem Einsatz mit dem entsprechenden Erfahrungshintergrund nur selten auf. Im Fall von relevanten Nebenwirkungen kann das Medikament umgesetzt werden. Durch die wöchentlichen psychotherapeutischen Gesprächstermine kann die Medikation ständig angepasst und auf mögliche Nebenwirkungen oder Bedenken reagiert werden. Dabei betrachte ich die Medikation wie das Anschieben eines Autos bei durchdrehenden Reifen. Fährt das Auto wieder, muss man auch nicht weiter anschieben. Diese Vorgehensweise ist insbesondere auch deshalb sinnvoll, da chronische Schlafstörungen zu Depressionen führen und Depressionen zu Schlafstörungen. Hier muss erst einmal „ein Fuss in die Tür“.

2. Die Klärung der Hintergründe

Überlastungssituationen entstehen meist nicht über Nacht, sondern haben eine jahrelange Vorgeschichte. In der Regel steht hinter der Überlastung ein ungelöster Konflikt welcher dem Betroffenen nicht bewusst sein muss. Teilweise nehmen Patienten mit Überlastungszuständen auch körperliche Überlastungszeichen und Gefühle nicht wahr. So berichten manche Patienten von Herzrasen, Schwitzen oder Kopfschmerzen, interpretieren diese Symptome aber einfach als „gegeben“ und „körperlich“ und nicht als Zeichen ihrer Überlastung. Deshalb gehen Patienten mit körperlichen Symptomen der Überlastung auch häufig zu verschiedenen Ärzten welche den Körper untersuchen anstatt die Seele. Dabei können aber meist nur Krankheiten ausgeschlossen, aber keine diagnostiziert werden. Ziel einer psychodynamischen Psychotherapie ist es deshalb, dass die Betroffenen die entsprechenden Konflike, Gefühle und Körpersensationen wahrnehmen und richtig einordnen. Die nicht wahrgenommenen Konflikte und Emotionen können dabei die unterschiedlichsten Lebensbereiche betreffen.

Von besonderer Bedeutung sind hier die Bereiche Beruf, Partnerschaft und Ort. Die Relevanz dieser drei Faktoren in der Bewältigung von Belastungen wird häufig unterschätzt. So ist ein existenzieller beruflicher Konflikt nur halb schlimm wenn gleichzeitig eine haltgebende Partnerschaft vorhanden ist oder die Trennung einer langjährigen Beziehung wird abgemildert wenn gleichzeitig eine erfüllende Berufstätigkeit vorhanden ist. Noch komplexer werden die Zusammenhänge unter Berücksichtigung des Orts. Denn auch der Ort beeinflusst die Bewältigungsmöglichkeiten des Einzelnen wesentlich da hierdurch auch die Möglichkeit des Rückgriffs auf das soziale Netz wesentlich beeinflusst wird. Zudem führt ein vertrauter Ort einfach zu einem stärkeren Gefühl der Sicherheit. Mit Kindern potenziert sich die Bedeutung der drei Ebenen noch.

Wenn mehr als eine der genannten Ebenen betroffen ist, kann aus der Überlastung rasch eine Krisensituation werden. Konflikthaftigkeit ist dabei besonders belastend. So sind bestimmte Bereiche eben typischerweise nicht „nur gut“ oder „nur schlecht“. Es sind also zwei seelische Kräfte vorhanden, welche in unterschiedliche Richtungen ziehen. Dies nennt man „konflikthaft“. Es gibt sowohl zwischenmenschliche (interpersonelle) als auch innerseelische (intrapsychische) Konflikte. Gerade Konflikthaftigkeit in Bezug auf die drei Grundebenen ist ein Spungbrett in die Überlastung denn nichts ist so anstrengend wie ein Konflikt. So ist es wenig zermürbend beispielsweise die Belastungen eines Umzugs hinzunehmen, sich um eine Finanzierung zu kümmern und die Einrichtung auszusuchen wenn der geplante berufliche Wechsel konfliktfrei ist. Wenn Sie aber eigentlich eine andere Stelle bevorzugt hätten oder am liebsten geblieben wären, wird die subjektive Belastung durch den Umzug plötzlich hoch und möglicherweise haben Sie dann eben gar keine Lust ins Einrichtungshaus zu gehen. Oder im Privatbereich: Die Organisation einer Hochzeit mag viel Arbeit sein, wenn Sie in Bezug auf die Partnerschaft und die Hochzeit konfliktfrei sind, wird Ihnen die Organisation vergleichsweise leicht von der Hand gehen. Haben Sie aber Zweifel an der Ehe, wird die Vorbereitung möglicherweise zu einer erheblichen Belastung. So kann jeder Lebensbereich konflikthaft sein und so kann auch eine eigentlich „schöne“ Situation zur Belastung werden. Dies ist mit der Aussage gemeint, dass Stress „subjektiv“ ist. Was für den einen ein freudiges Ereignis darstellt, stellt für den anderen einen „Horror“ dar (z.B. eine Rucksackreise durch Indien).

Dabei kann sich ein Konflikt in einer Ebene auch auf die anderen Ebenen ausdehnen. So kann ein beruflicher Konflikt die Partnerschaft belasten oder eine konflikthafte Partnerschaft den Beruf. So können Konflikte „das Leben vergiften“ und irgendwann kann dies entweder zu Stillstand oder zu unkontrolliertem Aktivismus führen. Durch beides lässt sich jedoch der zu Grunde liegende Konflikt nicht lösen und gerade Aktivismus führt oft direkt in die Überlastung. In der Behandlung von Überlastungszuständen ist deshalb regelhaft eine Klärung der dahinter stehenden Konflikte erforderlich und dies ist die Stärke der sog. konfliktorientierten psychotherapeutischen Verfahren (tiefenpschologisch fundierte Psychotherapie und psychoanalytische Psychotherapie). Bei einer Krisenintervention arbeite ich deshalb im Verfahren der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie, setze aber im Bedarfsfall auch Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie ein damit der Betroffene die Überlastungssituation so schnell wie möglich unter Kontrolle bringen kann.

Die Behandlung

Die geschilderte Vorgehensweise hat sich in Klink und Praxis hundertfach bewährt. Durch jahrelange Tätigkeit auf einer Krisenstation und 10 Jahre klinische Erfahrung kenne ich die Dynamik von Überlastungszuständen bzw. Krisensituationen und die wirksamsten Ansätze diese rasch zu beenden. Die Behandlung bei Überlastungszuständen und Krisensituationen benötigt in der Regel 10 bis 25 Stunden mit ein bis zwei Stunden pro Woche. Zur Behandlung der ursächlichen Hintergründe kann anschließend eine Psychotherapie hilfreich sein.

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