Psychiater München

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Warum besucht man einen Psychiater?

Wenn man Störungen des Denkens, Gefühlsschwankungen, Antriebslosigkeit oder Störungen des Verhaltens oder des Erlebens bemerkt, sucht man in der Regel einen Facharzt für Psychiatrie oder Psychotherapie auf.

Worin unterscheiden sich Psychiater und Psychologe?

Der Psychiater hat die Möglichkeit über seine Behandlung und Beratung hinaus, Medikamente zu verschreiben. Psychologen haben Psychologie und nicht Medizin studiert.

Psychische Probleme

Wer in Lebenskrisen steckt oder unter einer psychischen Erkrankung leidet, hat tiefe Einschnitte in seinem Leben zu verkraften. Dies ist Ihnen nicht immer sofort bewusst. Wenn in einer solch schwierigen Phase keine Therapie beansprucht wird, kann sich der psychische Zustand schnell verschlechtern.

Der Genesungszeitraum kann sich dadurch verlängern. Eine frühzeitige Diagnostik ist essentiell. Mit dem Beginn der richtigen Behandlung verbessert sich die Lebensqualität sukzessive. Sie können eventuell eine chronische Erkrankung vorbeugen. Eine psychiatrische Behandlung kann sowohl psychotherapeutische als auch medikamentöse Maßnahmen beinhalten. Wir suchen gemeinsam der der richtigen Lösungsstrategie und bestreiten den therapeutischen Weg. Wir betrachten den Menschen ganzheitlich und gehen der Ursache der psychiatrischen Erkrankung auf den Grund. Im ersten Schritt starten wir mit der Anamnese. Im Anschluss untersuchen wir sie gründlich und erstellen eine Diagnose. Gemeinsam wählen wir die richtige Therapie für Sie aus.

Untersuchungen

In einem psychiatrischen Gespräch werden verschiedene Bereiche abgefragt. Um bestimmte körperliche Symptome auszuschließen, werden ggf. körperliche Untersuchungen angeordnet. Dadurch können bestimmte körperliche Krankheitsbilder ausgeschlossen werden.

Psychiater

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ersetzte im Jahr 1994 die damaligen Facharztbezeichnungen Nervenarzt, sowie den Facharzt für Psychiatrie und auch die Kombination  aus Psychiatrie und Neurologie. Die Psychotherapie ist seitdem ein verpflichtender Teil der Facharztausbildung eines Psychiaters.

Prävention, Diagnostik, Rehabilitation und Behandlung psychischer Störungen sind die Fachgebiete eines Psychiaters. Sozio- und psychotherapeutischer Verfahren kommen zur Anwendung.

Facharztausbildung Psychiatrie und Psychotherapie

Wer in Deutschland Facharzt der Psychiatrie und Psychotherapie werden möchte, der muss sich 11 Jahre lang aus- und weiterbilden. Das Medizinstudium dauert 6 Jahre und die Weiterbildung zum Facharzt umfasst eine Dauer von 5 Jahren. Um sich als Facharzt weiterzubilden bedarf es der Approbation.

Die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer schreibt vor, dass man 2 Jahre in der stationären psychiatrischen und psychotherapeutischen Patientenversorgung tätig ist und 1Jahr in der Neurologie.

Um eine psychotherapeutische Weiterbildung abzuschließen, müssen 40 abgeschlossene Therapien mit einem Mindestumfang von 240 Therapiestunden und 100 Stunden Psychotherapietheorie absolviert werden.  32 Stunden Entspannungsverfahren und  6 Kriseninterventionen oder supportive Verfahren unter Supervision und Kriseninterventionsseminar über 10 Stunden und 70 Stunden Balintgruppenarbeit gehören zu dieser Weiterbildung. Man muss in Form von Selbsterfahrung 150 Stunden Einzel- oder Gruppenselbsterfahrung nachweisen.

 

 

Tiefenpsychologie München

Die Tiefenpsychologie beschäftigt sich mit den unbewussten Hintergründen von psychischen und psychosomatischen Symptomen. Die tiefenpsychologische Psychotherapie ist eine Fortentwicklung bzw. Modifikation der psychoanalytischen Psychotherapie. Die tiefenpsychologische Psychotherapie und die psychoanalytische Psychotherapie gelten in Deutschland als die beiden wichtigsten Verfahren der psychodynamischen Therapie. Die psychodynamischen Verfahren basieren auf dem Grundverständnis, dass es ein Unbewusstes gibt und dass psychische und psychosomatische Symptome eine unbewusste Ursache haben.

Was ist Tiefenpsychologie?

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie setzt an an den unbewussten Hintergründen der Symptome an. Für den Betroffenen kommen Symptome wie Angst, Panik, Schlafstörungen, Erschöpfung oder Depression oft “aus dem Nichts”. Dies gilt insbesondere auch für psychosomatische Symptome. Nach Erkennung der unbewussten Hintergründe werden die Beschwerden für den Betroffenen oft verständlich, es kommt ein innerer oder auch äußerer Veränderungsprozess in Gang und die Symptome heilen ab.

“Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist die gegenwärtig am häufigsten praktizierte und am besten untersuchte psychodynamische Psychotherapieform.” (Paul Janssen: Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 2. Auflage, 2009, S. 503)

Wie ist der Ablauf einer tiefenpsychologischen Behandlung?

Wir führen auf ärztlicher und psychologischer Basis eine Anamnese durch. Wenn wir herauskristallisiert haben, welche Diagnose vorliegt, sprechen wir mit Ihnen über die möglichen psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten. Diese Planung ist maßgeblich für den Erfolg Ihrer Behandlung.

Wenn Sie sich für eine Behandlungsmethode entschieden haben, starten wir mit der ersten Therapiesitzung. Wir bieten Ihnen spezielle Behandlungsangebote an. Stress, Angststörungen oder Depressionen lassen sich oft ausgezeichnet behandeln.

Im Bedarfsfall können Medikamente Ihre Psychotherapie unterstützen. Dies empfehlen wir jedoch nur während akuten Krisensituationen oder bei einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung.

Wie lange dauert eine Sitzung Tiefenpsychologie?

  • Kurztherapie: 10 – 24 Behandlungsstunden
  • Langzeittherapie: 25 – 100 Behandlungsstunden (teilweise auch mehr)
  • Dauer einer Behandlungsstunde: 50 Minuten

Was sollten Sie über die Tiefenpsychologie-Behandlung wissen?

  • Erfolg: häufig mit Kurzzeittherapie
  • Medikation: nur bei Bedarf
  • Behandlungsziel: individuelle Definition durch Patient & Arzt

Für wen eignet sich Tiefenpsychologie?

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist nur bei bestimmten Symptomen und Behandlungszielen sinnvoll. Bei bestimmten Symptomen oder Behandlungszielen kann eine kognitive Verhaltenstherapie, eine psychoanalytische Psychotherapie oder andere psychotherapeutische Methoden und Verfahren auch bessere Erfolgsaussichten haben. In der Praxis klären wir das in Ihrem Fall passende psychotherapeutische Verfahren im Rahmen der Vorgespräche. Dabei eignet sich die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie besonders für Patienten bei zwischenmenschlichen und innerseelischen Konflikten welche zu den entsprechenden Symptomen wie Angst, Schlafstörungen oder Erschöpfung führen. Dabei zielt die tiefenpsychologische Behandlung nicht auf das Symptom (also die Angst oder die Depression), sondern auf den hinter der Symptomatik stehenden Konflikt. Durch die Durcharbeitung bzw. Klärung des Konflikts kann die Symptomatik dann abheilen.

Wie schnell hilft eine Psychotherapie?

Oft lassen sich bereits mit 10 bis 20 Stunden erstaunliche Behandlungserfolgte erzielen. Teilweise sind die Behandlungen auch deutlich länger. Es kommt dabei immer auf den Einzelfall an.

Wann hilft Tiefenpsychologie?

Das Behandlungsprinzip der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist die systematische Durcharbeitung der unbewussten, konflikthaften Hintergründe der aktuellen Symptomatik. Diese konflikthaften Hintergründe sollten im Rahmen der Vorgespräch grob erkennbar sein. Wenn der Therapeut innerhalb der Vorgespräche keine Hypothese zur Entstehung der Symptomatik entwickeln kann, empfiehlt sich häufig eher eine Verhaltenstherapie oder auch eine psychoanalytische Psychotherapie. Dieses psychodynamische Krankheitsverständnis sollte wenn möglich innerhalb der Vorgespräche auch mit dem Betroffenen besprochen werden. Hierdurch wird das Behandlungskonzept für den Betroffenen verständlich. Dies steigert meist die Motivation und unterstützt damit sehr gute Behandlungserfolge. Bei unbefriedigenden tiefenpsychologischen Behandlungsverläufen liegt das Problem oft schon in der Planung. In der Praxis führen wir deshalb zunächst eine sorgfältige diagnostische Abklärung durch und “schneidern” Ihnen die Psychotherapie anschließend “auf den Leib”.

Durchleben von biografischen Erfahrungen

Man wiederholt biografische Erfahrungen und durchlebt das Erlebte noch einmal. Die Realität wird gemeinsam nach konstruiert. Patient und Psychotherapeut bauen eine gemeinsame Beziehung zueinander auf. Schmerzliche Gefühle, die den Patienten biografisch geprägt haben, werden mit dem Therapeuten kommuniziert. Der Patient gewinnt an affektiver und kognitiver Einsicht. Handlungsimpulse können somit besser kontrolliert werden. Unbewusste Emotionen, Konflikte und Motive werden für den Betroffenen erkennbar. So kann eine Lösung herbeigeführt werden wodurch die Symptome dann abheilen.

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Corona Psychotherapie & Beratung München

Was macht Corona mit unserer Seele?

Interview Psychologe Robert Willi erklärt, warum Covid-19 vielen Menschen Angst macht und was in der aktuellen Situation mit vielen Einschränkungen anders ist als im Frühjahr. Sein Tipp: Routinen helfen, den Tagesablauf zu strukturieren und Konflikte zu vermeiden.

Herr Willi, Deutschland ist im Lockdown, wir treffen kaum noch Menschen, viele arbeiten aus dem Homeoffice oder müssen gar um ihre Arbeitsstelle fürchten.

Wie wirkt sich das auf die Psyche aus?

Robert Willi: Ich beobachte bei meinen Patienten eine deutlich höhere Stressbelastung. Die Situation im Moment ist sehr undurchsichtig, niemand weiß, wie es weitergeht mit der Wirtschaft und der Pandemie, einige sind direkt betroffen. Das kann zu verschiedenen psychischen Krankheiten führen, unter anderem zur Depression.

Schon im Frühjahr mussten wir runterfahren und auf Kontakte verzichten. Sehen sie da Unterschiede zur Situation heute? Willi: Ich glaube, die Angst ist eine andere. Im Frühjahr waren viele erschrocken, die Situation war komplett neu, man musste sich schnell umstellen. Heute ist die akute Bedrohung weg. Dafür ist der Blick in die Zukunft düsterer. Im Frühjahr dachten viele vielleicht noch, das wird schon bald vorbei sein. Außerdem stand uns da der Sommer bevor, warme Temperaturen, die Möglichkeit, sich draußen an der frischen Luft zu treffen.

Inwiefern verschlimmert das die Situation?

Willi: Die psychischen Symptome – vor allem Depressionssymptome – nehmen im Herbst zu. Auch ganz ohne Corona. Dazu kommt jetzt noch die akute Stressbelastung durch Corona. Es werden aber auch die Möglichkeiten zur Ablenkung und Entspannung weniger. Vor allem dadurch, dass es schwieriger wird, Menschen zu treffen. Wenn es draußen kalt und matschig ist, geht man eher nicht im Park spazieren.

Wie können Betroffene der CoronaHerbst-Depression entgegenwirken?

Willi: Wichtig ist erst mal: Nicht jede Verstimmung ist gleich eine Depression. Jeder hat mal schlechte Tage und im Herbst nimmt das bei vielen Menschen zu. Wichtige Symptome einer Depression sind neben Niedergeschlagenheit auch Antriebslosigkeit und Interessenverlust. Wenn man morgens überhaupt nicht mehr aus dem Bett kommt. Wenn man nicht nur keine Menschen treffen kann, sondern überhaupt keine Lust mehr daran besteht. In so einem Fall sollte man sich dringend Hilfe holen. Sonst kommt man in einen Teufelskreis: Es geht einem schlecht, weil man keine sozialen Kontakte hat, und weil es einem schlecht geht, will man keine Menschen treffen. Therapie kann da helfen.

Was können Menschen machen, die nicht depressiv sind und keine Therapie brauchen?

Willi: Wichtig ist in erster Linie eine klare Tagesroutine zu haben, das gilt vor allem für Menschen, die im Homeoffice arbeiten. Freizeit und Arbeit mischen sich ohnehin immer mehr und Corona verstärkt das. Es ist auch nicht gut, wenn sich die Arbeitszeiten bis in den späten Abend reinziehen. Viele können dann nicht schlafen, Körper und Psyche erholen sich nicht, man wird immer angespannter.

Was sind die wichtigsten Bausteine bei so einer Tagesroutine?

Willi: Ich hatte kürzlich einen Patienten, der meinte, normalerweise steht er auf, dann frühstückt er erst mal, geht duschen, zieht sich an, fährt zur Arbeit. Während Corona nicht mehr. Da steigt er aus dem Bett, klappt seinen Laptop auf, liest Mails und beantwortet sie. Dann ist es bald elf Uhr vormittags und er hat noch nicht mal gefrühstückt und sitzt immer noch im Pyjama da. Das ist so ein klassischer Fall. Da könnte man sagen: Ich frühstücke erst, gehe duschen, ziehe mich an und fange wirklich erst dann an zu arbeiten. Da muss man konsequent mit sich sein. Und es hilft wirklich auch, sich anzuziehen und nicht den ganzen Tag im Jogginganzug rumzusitzen, das fühlt sich irgendwann nicht mehr gut an.

Warum ist eine Routine so wichtig für das menschliche Gehirn?

Willi: Das hat mit Effizienz zu tun. Wenn ich nicht weiß, ob ich jetzt zuerst eine Mail beantworten, Frühstück machen oder jemanden anrufen soll, dann muss ich darüber erst einmal nachdenken. Das klingt völlig banal, raubt uns aber wahnsinnig viel Energie. Wenn ich eine klare Struktur habe, passiert das nicht. Sie müssen dann nichts entscheiden, Sie sind im Autopilot. Das spart Stress.

Wenn man nicht alleine zu Hause ist, könnte es schwierig werden, in eine Routine reinzukommen…

Willi: Perfekt ist es da, wenn man sich zurückziehen kann, jeder in sein Zimmer. Das lassen natürlich nicht alle Wohnungen zu. Sind die Kinder zu Hause, kann es auch da helfen, Strukturen zu schaffen. Man kann sagen, jetzt kümmere ich mich mal zwei Stunden um die Kleinen und danach du zwei Stunden und dann wird wieder gewechselt. Das schafft Routine und es hat jeweils eine Person Ruhe zum Arbeiten. Wenn man sich in der Beziehung streitet, kann es auch hilfreich sein, Abstand zu gewinnen. Dass man einfach mal sagt: Ich brauche jetzt eine Pause. Dann geht man eine Runde um den Block oder schläft gegebenenfalls mal eine Nacht über den Streit. Danach hat man häufig eine andere Sicht auf die Dinge und man verhält sich weniger eskalierend. Singles leiden dagegen unter dem entgegengesetzten Problem: zu wenig Kontakt.

Wie kann man das kompensieren?

Willi: Ja, das ist natürlich ein großes Problem für viele Menschen. Da hilft es, auf das auszuweichen, was noch geht. Das heißt auf die analogen Kontakte zurückgreifen, die noch verfügbar sind. Man kann ja immer noch im Park spazieren mit einer Freundin oder sich mit dem Nachbarn unterhalten. Andererseits lohnen sich auch Videotelefonate. Dies bringt emotional viel mehr, als nur über den Hörer zu sprechen. Man sieht die Mimik und Gestik seines Gesprächspartners und das schafft eine viel innigere emotionale Bindung. Das zeigen Studien und ich merke das auch selbst in meiner Praxis. Meine Therapiestunden biete ich gerade zu 100 Prozent über Videosprechstunde an und das läuft außerordentlich gut.

Wir haben jetzt viel über die Folgen des Lockdowns gesprochen. Aber gleichzeitig geht da ja auch ein Virus um, mit dem Menschen sich infizieren, an dem sie erkranken und im schlimmsten Fall sterben.

Willi: Ja, da merke ich auch, dass das den Menschen Angst macht. Vor allem, weil es eine unsichtbare und schwer greifbare Gefahr ist. Da gibt es einige Forschungen zu diesem Thema. Menschen fürchten sich viel eher vor Dingen, die sie nicht kontrollieren können. Deshalb haben wir im Auto meist weniger Angst als im Flugzeug. Weil wir das Gefühl haben, Herr der Lage zu sein. Corona ist da ähnlich. Wir können kaum verstehen, warum uns das Virus krank macht. Und wir können es schon gar nicht kontrollieren.

Wie kann ich mir diese Angst nehmen?

Willi: Also erst mal muss man sagen, dass Angst ja immer auch was Gutes ist. Wenn Sie vor einem Löwen stehen und keine Angst haben, dann rennen Sie nicht weg und der Löwe frisst sie auf. Insofern ist es ja gut, dass wir vor einer ernsten Bedrohung auch ein bisschen Angst haben. Aber natürlich sollten wir uns nicht verrückt machen. Da hilft es vor allem, sich zu informieren, um diese diffuse und schwer greifbare Bedrohung zumindest ein bisschen zu verstehen.

Wie verbreitet sich das Virus zum Beispiel? Wie wirkt es im Körper? Und vor allem: Was kann ich dagegen tun? Wenn man ein klareres Bild hat und merkt, man kann die Situation zumindest ein bisschen kontrollieren, dann ist es nur noch halb so schlimm.

Quelle:

Interview: Jonathan Lindenmaier, Augsburger Allgemeine

Störungen der Impulskontrolle

Was versteht man unter Störungen der Impulskontrolle?

Gefühle gegen mit bestimmten Handlungsimpulsen einher. So vermittelt Angst den Impuls wegzulaufen. Wut macht hingegen angriffslustig. Es ist häufig nicht sinnvoll diesem Impuls zu folgen da dies für einen selbst oder für andere Personen ungünstige Folgen haben kann. Hierfür ist Impulskontrolle erforderlich. Bei Störungen der Impulskontrolle können die Impulse nicht mehr ausreichend kontrolliert werden.

Es kann dann zu folgenden Symptomen kommen:

  • Wutausbrüche mit unkontrolliertem Verhalten
  • Essstörungen mit unkontrolliertem Essen und ggf. auch Erbrechen
  • Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder Drogen
  • Selbstgefährdende Sexualität
  • Unüberlegte Handlungen und Entscheidungen
  • Impulsive Tagesgestaltung mit „Aufschieberitis“

Wie entstehen Störungen der Impulskontrolle?

Störungen der Impulskontrolle entstehen durch einer Kombination aus genetischen Einflüssen, biographischen Erlebnissen und aktuellen Belastungen im Sinne von Stress.

Wann sind Störungen der Impulskontrolle behandlungsbedürftig?

Dies hängt vom Schweregrad der Störung ab. Leichte Formen sind kein Problem und Betroffenen möchten daran oft auch gar nichts ändern. Leichte Impulskontrollstörungen wirken auf andere Menschen oft auch sympthisch. Die „eine“ Zigarette bei Belastung, das Bierchen oder die Chips am Abend obwohl man eigentlich darauf verzichten wollte… Derartige „Inkonsequenz“ ist normal und sollte nicht pathologisiert werden. Menschen die scheinbar alles „unter Kontrolle“ haben sind oft ausgesprochen unglücklich. Problematisch werden Störungen der Impulskontrolle erst bei vorliegender Selbstschädigung.

Hinweise auf Selbstschädigung:

  • Kontrollverlust unter Alkohol oder Drogen
  • Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder Drogen
  • Überstarke Gewichtsabnahme oder Zunahme
  • Zahnschäden aufgrund von Erbrechen
  • Infektion oder Traumatisierung durch unkontrollierte Sexualität
  • Leistungseinschränkung aufgrund von Smartphone- und Internetnutzung
  • Selbstverletzendes Verhalten wie Nägelkauen oder Ritzen
  • Aufschieben unangenehmer Tätigkeiten mit daraus resultierenden beruflichen und privaten Schwierigkeiten (Prokrastination)

Wie behandelt man Störungen der Impulskontrolle?

Bei Störungen der Impulskontrolle kann sowohl eine Verhaltenstherapie als auch eine psychodynamische Therapie sinnvoll sein. In der Praxis für Psychotherapie München wird im Rahmen von Diagnostik und Behandlungsplanung erst einmal das in Ihrem Fall erfolgversprechendste Verfahren gewählt. Dabei gibt es noch weitere psychotherapeutische Spezialverfahren wie mentalisierungsbasierte Psychotherapie ( MBT), übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) und dialektisch-behaviorale Psychotherapie (DBT), welche bei Impulskontrollstörungen ebenfalls äußerst hilfreich sein können. Dabei sollte das Verfahren aber fachkundig und sorgfältig gewählt und wie ein “Maßanzug” an die im Einzelfall vorliegende Problematik angepasst werden. Diese Vorgehensweise ist bei Störungen der Impulskontrolle besonders wichtig.

Weitere Informationen zur Behandlung

Cortisolmangel

Wichtiger Hinweis:

Bitte wenden Sie sich bei dem Wunsch nach einer diagnostischen Abklärung direkt an die Stressambulanz am Stress Zentrum Trier. In der Praxis für Psychotherapie München wird die Neuropattern-Diagnostik nicht mehr angeboten.

Die Aufgaben des Stresshormons Cortisol

Mit Hilfe des Hormons Cortisol stellt sich der Organismus auf akute und chronische Belastungen ein. Cortisol gilt deshalb auch als „Stresshormon“. Cortisol wird in der Nebennierenrinde produziert. Die Steuerung der Produktion erfolgt über das Hormon ACTH. ACTH wird im Gehirn in einer bestimmten Tagesrhythmik und in Abhängigkeit von anstehenden Belastungen ausgeschüttet. Die Ausschüttung von Cortisol zielt auf die Bereitstellung von schnell verfügbarer Energie bei Stress.

Cortisol führt zu folgenden körperlichen und psychischen Veränderungen:

  • Erhöhung des Blutdrucks
  • Erhöhung des Blutzuckers
  • Anstieg der Blutfette
  • Entzündungshemmung
  • Unterdrückung des Immunsystems
  • Gehobene Stimmung, Stimmungsschwankungen, Unzufriedenheit, Reizbarkeit, Ärger

Die Ausscheidung von Cortisol führt also zu einer körperlichen und psychischen Aktivierung um den Organismus optimal auf eine anstehende Herausforderung oder einen Kampf vorzubereiten. Die Vorbereitung auf einen Kampf geht soweit, dass sich durch Cortisol sogar die Gerinnung des Blutes erhöht um einem Verbluten im Rahmen einer möglichen Verletzung vorzubeugen.

Vom Cortisolüberschuss zum relativen Cortisolmangel

Wie an den aufgeführten Symptomen gut zu erkennen ist, handelt es sich bei der durch Cortisol vermittelten Stressreaktion eigentlich um eine Akutreaktion zur Sicherung des Überlebens. Akut meint, dass eine kurzfristige Belastung wie ein Angriff rasch wieder aufhört und der Organismus dann wieder in den Erholungsmodus „umschalten“ kann. Problematisch wird die Stressreaktion wenn sie nicht bald wieder beendet wird und sich täglich wiederholt. Bei ständiger Wiederholung steigt die Ausschüttung von Cortisol immer mehr an und ab einem bestimmten Punkt gelingt es dem Organismus nicht mehr auf den Erholungsmodus „umzuschalten“. Es kommt dann zu innerer Unruhe, Aktivismus, der Unfähigkeit zu entspannen und zu Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen. Bei dauerhafter Überaktivierung kann sich die Leistungsfähigkeit der Nebennierenrinde irgendwann reduzieren bzw. erschöpfen wodurch dann zu weniger Cortisol ausgeschüttet und ein relativer Cortisolmangel entsteht. Bei bestimmten Erkrankungen kann die Nebenniere ihre Funktion auch ganz einstellen (Morbus Addison).

Woran erkennt man einen Cortisolmangel?

Ein Mangel an Cortisol kann zu folgenden Symptomen führen:

  • Erschöpfung
  • Schwächegefühl
  • Tagesmüdigkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Niedrigem Blutdruck
  • Erniedrigtem Blutzucker
  • Salzhunger

Die Symptome sind aber recht allgemein weshalb die Diagnosestellung laborchemisch erfolgen muss.

Wie diagnostiziert man einen Cortisolmangel?

Ein absoluter Cortisolmangel im Sinne eines Morbus Addison wird anhand der vorliegenden Symptome und den Nachweis typischer laborchemischer Veränderungen diagnostiziert. Im Fall eines Morbus Addison findet sich im Blut ein deutlich erhöhtes ACTH und ein deutlich vermindertes Cortisol. Für eine zuverlässige Diagnose wenden Sie sich am besten an einen Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie.

Die Diagnose eines relativen Cortisolmangels ist aus verschiedenen Gründen ausgesprochen anspruchsvoll und das Krankheitsbild ist auch nicht allgemein anerkannt. So beschreibt das allgemein anerkannte Krankheitsbild eines Morbus Addison einen Extremzustand. Hier wird so gut wie gar kein Cortisol mehr produziert. Es gibt aber auch Menschen, welche zwar keinen Mobus Addison haben, dennoch aber – im Vergleich mit Gesunden – eine verminderte Produktion von Cortisol aufweisen. Diese Menschen befinden sich sozusagen in einem medizinischen Graubereich. Im den USA wird ein derartiger Zustand oft auch als “Adrenal fatigue” bezeichnet. Eine “vergleichsweise” geringere Produktion von Cortisol ist aber ausgesprochen schwer nachweisbar. Die Bestimmung von Cortisol im Blut ist hier zum Nachweis nicht geeignet da diese nur eine “Momentaufnahme” darstellt. So finden sich zum einen durch die zirkadiane Rhythmik im Tagesverlauf erhebliche Unterschiede in der nachweisbaren Cortisolkonzentration. Zum anderen ist die Cortisolproduktion auch stark abhängig von den Belastungen des Tages. Deshalb ist die Bestimmung von Einzelwerten zum Nachweis eines relativen Cortisolmangels nicht geeignet. Um ein aussagefähiges Messresultat zu bekommen, muss Cortisol mehrfach am Tag über mehrere Tage mit der richtigen Technik bestimmt werden. Hierfür eignet sich eine Bestimmung im Speichel am besten. Zudem dürfen zum Nachweis eines relativen Cortisolmangels bei der Interpretation der Messwerte nicht die Extremwerte eines Morbus Addison zugrunde gelegt werden, sondern Werte, welche sich auf den Vergleich mit symptomfreien Personen beziehen. Darüber hinaus ist es sinnvoll nicht nur den Cortisolwert zu messen, sondern auch die Funktion des Cortisol-Regelkreises zu prüfen (Dexamethason-Hemmtest).

Der Nachweis eines relativen Cortisolmangels ist deshalb ausgesprochen anspruchsvoll. Die beste Nachweismethode wurde von Prof. Hellhammer in Trier entwickelt. Im Rahmen der Neuropattern-Diagnostik werden die Cortisolwerte mehrfach täglich über drei Tage bestimmt. Am Abend des zweiten Tages erfolgt die Einnahme von 0,25 mg Dexamethason und am dritten Tag wird dann noch einmal die Cortisolaufwachreaktion gemessen (Dexamethason-Hemmtest). Herr Prof. Hellhammer hat durch den Vergleich mit einer gesunden Vergleichsgruppe auch eigene Grenzwerte entwickelt.

In der Praxis in München wurden zwischen 2014 und 2019 gemeinsam mit Prof. Hellhammer zahlreiche Messungen mit Hilfe von Neuropattern durchgeführt. Leider ist Prof. Hellhammer im Jahr 2019 verstorben. Die Neuropattern-Diagnostik wurde daraufhin in der Praxis eingestellt. Das Stresszentrum Trier bietet aber weiterhin die Messung an und die Testmaterialien können dort bestellt werden. Es wird dort ein Stressprofil Basic und ein Stressprofil Premium angeboten. Bei dem Stressprofil Basic wird nur an zwei Tagen die Cortisolaufwachreaktion bestimmt. Das Stressprofil Premium entspricht der früheren Neuropattern-Diagnostik. Hier werden noch mehr Cortisolwerte im Tagesverlauf bestimmt und am dritten Tag wird ein Dexamethasontest durchgeführt. Zudem wird die Herzschlagvariabilität über Nacht gemessen und es wird eine Fragebogendiagnostik durchgeführt. Zum Nachweis eines relativen Cortisolmangels empfiehlt sich die umfangreichere Testung mittels dem Stressprofil Premium bzw. Neuropattern. Bei der Auswertung der Cortisolwerte werden auch die von Prof. Hellhammer über Jahrzehnte entwickelten Normwerte zugrunde gelegt. Die Untersuchungen werden in Trier auch ausgewertet und Sie erhalten eine entsprechende Behandlungsempfehlung.

Wie behandelt man einen relativen Cortisolmangel?

Die Behandlungsempfehlung der Neuropattern-Diagnostik hängt von dem Schweregrad des relativen Cortisolmangels ab. In leichten Fällen kann versucht werden über Sport und Ernährung die Cortisolproduktion wieder zu aktivieren. Zudem kann bei leichten bis mittleren Mangelzuständen die Gabe bestimmter pflanzlicher Präparate sinnvoll sein, welche die Cortisolproduktion anregen. Bei einem ausgeprägten relativen Cortisolmangel können bestimmte Medikamente sinnvoll sein, welche zu einer Normalisierung der Cortisolproduktion führen oder beitragen. Zur kurzfristigen Stressreduktion empfehlen sich üblicherweise verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Langfristig kann die Stressbelastung meist am besten über eine psychodynamische Psychotherapie oder ein psychodynamisches Coaching abgesenkt werden.

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Ihr Psychotherapeut in München

Serotoninmangel

Was ist ein Serotoninmangel?

Unter einem Serotoninmangel versteht man eine erniedrigte Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Serotonin beeinflusst und reguliert die Stimmung, den Antrieb und vermittelt Entspannung und Wohlbefinden. Deshalb wird Serotonin oft auch als „Glückshormon“ bezeichnet. Zudem fördert Serotonin den Schlaf. Serotonin wird hauptsächlich im Tiefschlaf produziert, weshalb durch einen Serotoninmangel auch ein Teufelskreis entstehen kann. Der Serotoninmangel erschwert das Einschlafen, der fehlende oder gestörte Tiefschlaf reduziert die Serotoninproduktion wodurch sich der Schlaf dann wieder verschlechtert. Zusammen mit dem parasympathischen Anteil des vegetativen Nervensystems aktiviert Serotonin zudem die Verdauung und den Stoffwechsel. Serotonin und Parasymathikus können auch als Erholungssystem (trophotropes System) des Organismus verstanden werden. Bei einem Ungleichgewicht des Erholungssystems mit dem System der Aktivierung bzw. der Energieversorgung kann es zu verschiedenen körperlichen und psychischen Symptomen kommen.

Welche Ursachen gibt es?

Ein Serotoninmangel kann auf unterschiedliche Weise entstehen. Die Fähigkeit zur Produktion von Serotonin hat auch mit genetischen und frühkindlichen Belastungen zu tun. Hauptursache für einen Serotoninmangel im Erwachsenenleben sind jedoch psychische Belastungen und lang anhaltende Stressbelastungen. Zudem können stressbedingte Schlafstörungen zur Entwicklung eines Serotoninmangels beitragen. Eine zusätzliche Verstärkung des Serotoninmangels kann durch einseitige Ernährung im Rahmen anhaltender Stressbelastung entstehen. Daneben können auch körperliche Faktoren wie chronische Infektionen oder Darmerkrankungen durch die Aktivierung proinflammatorischer Zytokine zu einem Serotoninmangel führen oder beitragen.

Welche Symptome hat ein Serotoninmangel?

Mögliche Symptome eines Serotoninmangels sind:

  • Erschöpfung und Müdigkeit
  • Innere Anspannung und Nicht-Abschalten-Können
  • Reizbarkeit und Aggressivität
  • Gedrückte Stimmung
  • Schlafstörungen
  • Veränderungen des Appetits und der sexuellen Lust
  • Verstärkte Schmerzwahrnehmung

Auf körperlicher Ebene spielt Serotonin eine Rolle bei der Entstehung von Kopfschmerz/Migräne, dem Reizdarmsyndrom und dem prämenstruellen Syndrom (PMS). Zu einem Serotoninmangel kann es auch im Rahmen von Angststörungen und Depressionen kommen.

Wie diagnostiziert man einen Serotoninmangel?

Beim Serotoninmangel handelt es sich um einen Botenstoffmangel im Gehirn. Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin, Acetylcholin, Dopamin und GABA sind zwar in Blut oder Urin messbar, die in Blut oder Urin gemessenen Konzentrationen lassen aber keine zuverlässige Aussage über die Konzentration der Botenstoffe im Gehirn zu. Dies gilt auch für deren Abbauprodukte. So lässt auch die häufig empfohlene Messung von 5-Hydroxyindolessigsäure (HIES) in Blut oder Urin (aufgrund der Blut-Hirn-Schranke) keine Rückschlüsse auf die Konzentration von Serotonin im Gehirn zu. Hierzu muss 5-Hydroxyindolessigsäure in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) bestimmt werden. Dabei muss aber die Materialentnahme über eine Liquorpunktion erfolgen. Diese ist zwar üblicherweise nur wenig schmerzhaft, birgt aber einige Risiken. Der Nachweis eines Serotoninmangels über eine Liquorpunktion ist deshalb derzeit nur im Rahmen von Forschungsarbeiten (Beispiel) zu rechtfertigen. Der Nachweis eines Serotoninmangels ist aber üblicherweise aber auch gar nicht erforderlich da sich ein Serotoninmangel – für den geübten Untersucher – auch sehr gut an den bestimmten Symptomen erkennen lässt. Auch eine rasche Abheilung der Symptome bei Gabe eines Serotonin-Wiederaufnehmehemmers (SSRI) spricht für das Vorliegen eines – zuvor vorliegenden – Serotoninmangels.

Wie behandelt man einen Serotoninmangel?

Ein Serotoninmangel kann mit unterschiedlichen Maßnahmen behoben werden. Die Wahl der passenden Maßnahmen hängt vorwiegend vom Schweregrad des Serotoninmangels ab. Stress und psychische Belastungen können am besten mit Hilfe einer Verhaltenstherapie oder einer psychodynamischen Therapie reduziert werden. Hierdurch normalisiert sich mittelfristig üblicherweise auch der Serotoninspiegel. Bei Schlafstörungen, Angststörungen und Depressionen kann auch eine ergänzende Medikation hilfreich sein. Bei leichtem Serotoninmangel kann hier auch eine Behandlung mit der Aminosäure L-Tryptophan (5-Hydroxy-Trypotophan/ 5-HTP) sinnvoll sein. Mit Hilfe der Medikamentengruppe der sog. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) lässt sich auch ein ausgeprägter Serotoninmangel innerhalb weniger Tage bis Wochen normalisieren. Wenn parallel zur Medikamenteneinnahme die Stressursachen reduziert bzw. die Stressbewältigung verbessert wird, kann die Medikation mit SSRI dann meist wieder rasch reduziert und schließlich abgesetzt werden.

In der Praxis für Psychotherapie München wird zunächst die Ursache des Serotoninmangels geklärt. Anschließend wird eine passgenaue Behandlung geplant damit die Beschwerden rasch und nachhaltig abklingen.

Mehr Informationen zur Behandlung

Ihr Psychotherapeut in München

Stressreaktion

Die Stressreaktion entsteht im Gehirn und wird durch die innere Bewertung äußerer Reize ausgelöst. Im Falle einer Aktivierung wird der Organismus “bis zur letzten Zelle” über das Nerven- und Hormonsystem in einen Alarmzustand versetzt. Die individuelle Form und das Ausmaß der Stressreaktion lässt sich mit den heute zur Verfügung stehenden Techniken zuverlässig messen.

Was versteht man unter einer “Stressreaktion”?

Die sog. Stressreaktion wurde vom Begründer der Stresskonzepts Prof. Hans Selye erforscht und erstmals beschrieben. Selye setzte Versuchstiere unterschiedlichen Extrembelastungen aus. Bei den Belastungen handelte es sich um Reize wie Infektion, Vergiftung, Trauma, nervöse Beanspruchung, Hitze, Kälte, Muskelanstrengung oder Röntgenstrahlung. Selye beobachtete eine unabhängig von der Art des Reizes immer gleich ablaufende körperliche Reaktion und bezeichnete diese unspezifische Reaktion auf Stress 1952 als „General Adaption Syndrome“.

Die körperliche Stressreaktion verläuft nach Selye in folgenden drei Phasen:

  1. Alarmreaktion (alarm reaction)
    Sympathische Aktivierung, erhöhte Konzentration von Adrenalin und Noradrenalin, ACTH und Cortisol
  2. Widerstandsphase (stage of resistance)
    Erhöhung des Zuckerstoffwechsels, Steigerung der Empfindlichkeit der Gefäßmuskulatur für Adrenalin und Noradrenalin, Dämpfung von Schilddrüsen- und Sexualfunktion
  3. Erschöpfungsphase (stage of exhaustion)
    Zusammenbruch von Reproduktions- und Wachstumsfunktionen sowie der Infektionsabwehr, nur noch kurzzeitige Energiemobilisierung möglich, Vergrößerung der Nebenniere, Schrumpfung der Thymusdrüsen, Bildung von Magengeschwüren

Selye weist darauf hin, dass nur bei chronischen Belastungen alle drei Phasen durchlaufen werden, während die typischen Alltagsbelastungen meist nur die Alarmreaktion oder die Alarmreaktion und die Widerstandsphase auslösen.

Seit der Erstbeschreibung der Stressreaktion von Selye in den 50er Jahren wurde die Pathophysiologie der Stressreaktion immer weiter erforscht. So wurden die Untersuchungen von Selye vorwiegend an Versuchstieren durchgeführt und die Befunde sind aus heutiger Sicht relativ grob. Mit den heute zur Verfügung stehenden Untersuchungstechniken lässt sich die Stressreaktion deutlich differenzierter messen.

Stress entsteht im Gehirn

Der Einfluss von Stress auf körperliche und psychische Prozesse ist erheblich. Dabei entsteht Stress im Gehirn. Wenn die vorhandenen Bewältigungsmechanismen subjektiv nicht der anstehenden Herausforderung entspricht entsteht Stress. So kann ein und derselbe Reiz für die eine Person eine angenehme Herausforderung darstellen und für eine andere Person eine Bedrohung. So würde ein fremdsprachiger Vortrag vor einem Fachpublikum bei vielen Menschen Angst und damit Stress auslösen. Es gibt aber Menschen für die ein derartiger Vortrag keine relevante Belastung darstellt, dafür kraust es diesen Menschen möglicherweise vor dem abendlichen Gespräch mit der Ehefrau. Ein Gespräch mit der Ehefrau würde für einen anderen Menschen aber wiederum keine relevante Belastung darstellen. Stress ist also individuell.

Stress ist ein Ganzkörperphänomen

Unabhängig davon wie der Stress im Gehirn entsteht, führt Stress auf körperlicher Ebene zu verschiedensten Veränderungen. Letztlich ist Stress ein Ganzkörperphänomen von welchem die verschiedensten körperlichen und psychischen Prozesse beeinflusst werden. Auf psychischer Ebene führt Stress zu typischen Symptomen und Verhaltensänderungen. Auf körperlicher Ebene beeinflusst Stress vorwiegend das Hormonsystem, das vegetative Nervensystem und das Immunsystem. Über die Beeinflussung der verschiedenen Systeme führt Stress zu den unterschiedlichsten körperlichen und psychischen Symptomen. Oft wird der Zusammenhang zu Stress übersehen und es erfolgt gar keine oder nur eine symptomatische Behandlung. Unbehandelter Stress kann auf Dauer zu verschiedenen körperlichen und psychischen Erkrankungen führen. Auf körperlicher Ebene führt Stress bei entsprechender Anlage oft zu Magengeschwüren, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit. Auf psychischer Ebene kann Stress zu einem Erschöpfungszustand und bei entsprechender Anlage zu einer Depression oder einer Angsterkrankung führen.

Auswirkungen von Stress auf Psyche und Verhalten

Es kommt zu Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Kreativität, nervösem unruhiges Verhalten, hastigem Sprechen und Essen, Ruhelosigkeit, Entscheidungsschwierigkeiten, Kommunikationsschwierigkeiten, Multitasking, Aktivismus, mangelnder Planung, Unordnung, Schwierigkeiten im Zeitmanagement, „nicht fertig werden“, Arbeit mit nach Hause nehmen, Ineffizienz, Nicht-Abschalten-Können, Verzicht auf Urlaub, Reduktion der Freizeit, Vernachlässigung von Partnerschaft und Familie, Verzicht auf Bewegung, unkontrolliertem Essen und Rauchen, vermehrtem Alkoholkonsum, übermäßigem Kaffeegenuss, Einnahme von Schmerztabletten, Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln und Aufputschmitteln, ständiger Sorge und „Zukunftsdenken“, sich gehetzt und unter Druck fühlen, Gedankenkreisen und Grübeln, nächtlichem Denken an berufliche Inhalte, Denkblockade („black out“), innerer Leere, Angst, Erschöpfung, innerer Unruhe und Anspannung, Reizbarkeit und Aggression, Stimmungsschwankungen, Unzufriedenheit und gedrückter Stimmung.

Auswirkungen von Stress auf das vegetative Nervensystem

Das vegetative Nervensystem durchzieht den ganzen Körper und beeinflusst verschiedene Organe wie das Herz, den Darm und die Haut. Das vegetative Nervensystem ist durch den Willen nicht beeinflussbar und heißt deshalb auch „autonomes Nervensystem“. Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Komponenten welche gleichzeitig aktiv sind. Ein Teil (der sog. Sympathikus) sorgt für Anspannung, der andere Teil (Parasympathikus) für Entspannung. Stress führt zu Anspannung und bei dauerhafter Anspannung „kippt“ das vegetative Nervensystem hierdurch in einen Modus der Überaktivierung des Sympathikus. Hierdurch kommt es zu Herzrasen, Blutdruckanstieg, beschleunigte Atmung, gereizten Magen oder Durchfall. Auf psychischer Ebene geht ein derartiger Erregungszustand mit einer Fokussierung der Aufmerksamkeit, einer erhöhten Reizbarkeit und Wachheit einher. Dies ist die Vorbereitung für einen bevorstehenden Kampf oder eine Flucht. Diese übermäßige Aktivierung ist für Körper und Psyche nur kurzfristig ohne Schaden. Auf Dauer führt die Überaktivierung zu verschiedensten körperlichen und psychischen Symptomen und Erkrankungen. In der Evolution war eine Stresssituation aber üblicherweise nur vorübergehend und hierdurch auch nicht schädlich. Heute halten Stresssituationen oft an. So kann sich eine Arbeitsplatzbelastung oder ein Beziehungskonflikt jeden Tag wiederholen. Früher konnten Ärzte auf die Aktivierung des vegetativen Nervensystems nur anhand der Symptome schließen. Seit wenigen Jahren ist es mit Hilfe der Bestimmung der Herzschlagvariabilität möglich den Aktivierungsgrad des vegetativen Nervensystems direkt zu messen. Das Verfahren ist jedoch technisch durchaus anspruchsvoll. Messung per App oder mit einfachen Brustgurten sind nicht aussagefähig. Die Ableitung muss immer mit mehreren Elektroden erfolgen da nur ein einzelner falsch gemessener Herzschlag (Artefakt) das Ergebnis um 450 % verändert. In meiner Praxis messe ich die Herzschlagvariabilität über 5 Minuten mit einem hochwertigen Gerät welches auch in der Forschung verwendet wird. Anschließend werden die Daten mit hochwertiger Software verarbeitet wodurch sich der Aktivierungsgrad des vegetativen Nervensystems sicher bestimmen lässt. In bestimmten Fällen empfehle ich auch eine Messung der Herzschlagvariabilität über Nacht.

Auswirkungen von Stress auf das Hormonsystem

Stress hat erhebliche Auswirkungen auf das Hormonsystem. Über einen komplexen Regelmechanismus des Gehirns führt Stress zu einer Ausschüttung von Cortisol aus der Nebennierenrinde. Unter hoher Stressbelastung kommt es zunächst zu einer vermehrten Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde. Cortisol führt als Hormon zu zahlreichen körperlichen und psychischen Veränderungen wie Gewichtszunahme, Anstieg des Blutzuckers, Schlafstörungen und Reizbarkeit. Bei längerer Erhöhung von Cortisol kann es zu einer eingeschränkten Empfindlichkeit der Cortisol-Rezeptoren im ganzen Körper kommen. Zudem ist es möglich, dass die Nebennierenrinden nur eingeschränkt Cortisol produzieren. Dies nennt man Nebenniereninsuffizienz oder Morbus Addison. Die Nebenniereninsuffizienz kommt jedoch äußerst selten vor und ein Zusammenhang mit übermäßiger Stressbelastung wird in der Literatur nicht beschrieben. Das von Alternativmedizinern oft propagierte und mit fraglichen Methoden laborchemisch nachgewiesene Konzept der „adrenal fatigue“ ist deshalb beim heutigen Stand des Wissens nicht zielführend. Die Störungen der sog. HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse) sind deutlich komplexer. Es handelt sich in der Regel nicht einfach um eine „Schwäche der Nebennierenrinde“, sondern um eine komplexe Störung des hormonellen Regelkreises. Für eine Messung des Regelkreises muss am Vorabend eine kleine Dosis Cortison eingenommen und am nächsten Morgen die Cortisol-Aufwachreaktion gemessen werden (Dexamethason-Hemmtest). Insgesamt ist die Messung von Dysfunktionen der HPA-Achse mit heutigen Methoden zwar möglich aber durchaus aufwendig. Die meisten mir vorgelegten Laborbefunde sind Einzelmesswerte welche mit fraglichen Normbereichen. Für eine belastbare Messung müssen mindestens 6 Messungen pro Tag über zwei Tage durchgeführt werden. Die Ergebnisse sind dann auf qualitativ hochwertige Normwerte zu beziehen (Cortisol-Tagesprofil). Die Messung von Cortisol ist aufgrund der eingeschränkten Aussagekraft jedoch nur in Ausnahmefällen empfehlenswert. So empfehle ich die Messung von Cortisol meist nur bei diagnostisch unklaren Erschöpfungszuständen („chronic fatigue syndrome“). Neben der HPA-Achse beeinflusst Stress auch Wachstums- und Geschlechtshormone. So sinkt bei Affen im Tierversuch bei zunehmendem Stress durch zu hohe Dichte im Käfig das Testosteron mit resultierender Einschränkung der Fruchtbarkeit. Dies ist evolutionär ja für die Gruppe auch sinnvoll da bei zu hoher Populationsdichte zusätzliche Nachkommen für Knappheit und zusätzlichen Stress sorgen würden. Bei Frauen verschiebt oder verändert sich bei Stress oft die Regelblutung. Bei extremer Stressbelastung kann die Regelblutung auch ganz ausbleiben. Auch bei der Frau sinkt unter Stress die Fruchtbarkeit. Auch die Veränderungen der Geschlechtshormone lassen sich mit heutigen Methoden messen. Meist lässt sich aber auch ohne Messung aus den Symptomen auf die hormonellen Veränderungen schließen.

Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem

Die Auswirkungen von Stress auf das Immunsystem sind erheblich. Nicht umsonst setzt man das Stresshormon Cortisol in Form von Cortison medizinisch zur Unterdrückung des Immunsystems ein. Die Zusammenhänge zwischen Stress und Immunsystem wurden Jahrzehnte von der Medizin gar nicht gesehen. Erst in den letzten 10 Jahren hat sich hier ein erhebliches Wissen angesammelt und sich das neue Spezialgebiet der Psychoneuroimmunologie entwickelt. Unter Berücksichtigung der heutigen Forschungsergebnisse sind Nervensystem und Immunsystem eigentlich gar nicht voneinander zu trennen. Das Immunsystem reagiert bei psychischen Veränderungen unmittelbar mit. So untererdrückt das Immunsystem unter Belastung üblicherweise die Immunantwort auf Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Es ist ja auch nicht sinnvoll unter Fieber und Krankheitsgefühl zu leiden während man mit einem Säbelzahntiger kämpft. Die Immunantwort kommt erst nach Ende der Stressbelastung in der Phase der Erholung. So wundern sich zahlreiche Patienten, dass sie nicht während der Stressbelastung, sondern erst im anschließenden Urlaub krank wurden. Dauerhafter Stress kann aber noch deutlich bedrohlichere Folgen haben als Infektionskrankheiten in Phasen der Erholung. Auf Dauer kann Stress zu einer übermäßigen Immunantwort oder einer fehlerhaften Immunantwort führen. So kann Stress bei entsprechender Anlage zu Autoimmunkrankheiten, Allergien und Krebserkrankungen führen. Diese Zusammenhänge sind vielen genau beobachtenden Ärzten seit Jahrzehnten und Jahrhunderten bekannt. Die Psychoneuroimmunologie entschlüsselt nun aber den dahinterstehenden Mechanismus. Als Allergologe und Facharzt für Psychosomatische Medizin bestimme ich bei entsprechenden Fragestellungen auch bestimmte Immunparameter um die Funktionsfähigkeit des Immunsystems und die daraus entstehenden gesundheitlichen Risiken besser einschätzen zu können.

Lässt sich die Stressreaktion „bremsen“?

Dies ist eine häufige Frage. Bereits eingetretene körperliche Erkrankungen wie ein manifester Bluthochdruck oder eine Zuckerkrankheit lassen sich oft nicht mehr im Sinne einer Heilung beeinflussen. Hier besteht die Zielsetzung das Fortschreiten der Erkrankung und das Auftreten von anderen Erkrankungen zu verhindern. Auch bei Allergien und Autoimmunerkrankungen gibt es nicht wirklich „einen Rückwärtsgang“. Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen bilden sich jedoch regelhaft nach erfolgreichem Stressabbau auch tatsächlich vollständig zurück. Eine Heilung ist also am ehesten möglich so lange es sich noch um Symptome und nicht um Erkrankungen handelt. Ähnlich verhält es sich mit den mit Stress in Verbindung stehenden psychischen Erkrankungen. So heilt ein durch Stress verursachter Erschöpfungszustand nach erfolgreichem Stressabbau meist folgenlos aus. Eine durch Stress ausgelöste Depression ist hingegen deutlich schwerer und langwieriger zu behandeln. Bei stressbedingten Symptomen und Erkrankungen sollte deshalb möglichst früh und möglichst ursächlich in den Krankheitsprozess eingegriffen werden.

Vegetative Dystonie

Wichtiger Hinweis:

Bitte wenden Sie sich bei dem Wunsch nach einer diagnostischen Abklärung direkt an die Stressambulanz am Stress Zentrum Trier. In der Praxis für Psychotherapie München wird die Neuropattern-Diagnostik nicht mehr angeboten.

Was versteht man unter vegetativer Dystonie?

Unter vegetativer Dystonie versteht man ein Ungleichgewicht im vegetativen Nervensystem. Das vegetative Nervensystem durchzieht den ganzen Körper und regelt alle lebensnotwendigen Grundfunktionen des Körpers. Das vegetative Nervensystem ist durch den bewussten Willen nicht beeinflussbar und wird deshalb auch als “autonomes” Nervensystem bezeichnet. Es steuert die Herztätigkeit, den Blutdruck, die Atmung, die Verdauung, die Blase und auch die sexuelle Reaktion. Eine gute Grafik zu den unterschiedlichen Funktionen finden Sie hier.

Wie kommt es zu einem Ungleichgewicht?

Die Aktivierung des vegetativen Nervensystems ist Teil der Stressreaktion. Unter einer Stressreaktion versteht man die körperlichen und psychischen Veränderungen, welche in Folge einer Stressbelastung auftreten. Im Rahmen der Stressreaktion bereitet sich der Organismus auf eine drohende Auseinandersetzung vor. Die Aufmerksamkeit fokussiert sich, der Herzschlag steigt, der Blutdruck erhöht sich und die Atmung beschleunigt sich. Der Organismus versucht so optimale Voraussetzungen für einen Kampf oder eine Flucht zu schaffen. Somit gehört die Stressreaktion zum normalen Leben und ist an sich nicht schädlich. Problematisch wird die Stressreaktion, wenn sie zu oft direkt aufeinander folgt und dazwischen keine Phasen der Entspannung mehr vorhanden sind. Der Körper bleibt dann in einem Zustand der Daueranspannung. Durch die Daueraktivierung des vegetativen Nervensystems kann es zu innerer Unruhe, Herzrasen, Atembeschwerden, Schwitzen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Schlafstörungen kommen, welche auch nach Wegfall der Gefahr nicht mehr abklingen. Derartige Symptome werden oft auch als Stresssymptome oder psychosomatische Symptome bezeichnet. Häufig tritt eine vegetative Dystonie im Rahmen von Angststörungen auf.

Wie diagnostiziert man ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems?

Bis vor wenigen Jahren konnte ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems nur anhand der Symptome vermutet werden. Seit einigen Jahren kann die Aktivität des vegetativen Nervensystems tatsächlich gemessen werden. Dies gelingt mit Hilfe der Bestimmung der Herzschlagvariabilität.

Was misst die Herzschlagvariabilität?

Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei “Gegenspielern”, welche beim Gesunden das Verhältnis von Anspannung und Entspannung so regeln, dass es der Grad der Aktivierung des Organismus der aktuellen Situation angemessen ist. Der zu Anspannung führende Teil nennt sich Sympathikus, der zu Entspannung führende Teil Parasympathikus. Üblicherweise überwiegt mal der eine, mal der andere Teil. Die Geschwindigkeit des Herzschlags wird vom autonomen Nervensystem und damit vom Sympathikus und vom Parasympathikus reguliert. Mit Hilfe einer hochwertigen Technik, lassen sich nun die Abstände der Herzschläge erfassen und daraus kann mit komplexen Algorithmen herausgerechnet werden, ob der Einfluss des Sympathikus oder des Parasympathikus in diesem Moment überwiegt und damit ob ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems im Sinne einer vegetativen Dystonie vorliegt.

Ist eine Messung der Herzschlagvariabilität sinnvoll?

Eine Messung ist nur in Ausnahmefällen erforderlich und kann im Bedarfsfall an der Stressambulanz des Stress Zentrum Trier durchgeführt werden. In der Praxis für Psychotherapie München werden keine Messungen mittels Neuropattern mehr vorgenommen da ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems für den spezialisierten Untersucher auch gut anhand der hierfür typischen Symptome erkennbar ist.

Wie behandelt man ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems?

In der Praxis für Psychotherapie München werden deshalb zunächst die Symptome systematisch erfasst und an einem bestimmten Beschwerdebild zugeordnet. Anschließend wird im Rahmen einer differenzierten Behandlungsplanung das im Einzelfall am meisten Erfolg versprechende Verfahren gewählt. Meist empfiehlt sich das Erlernen eines Entspannungsverfahrens, eine Verhaltenstherapie oder eine dynamische Therapie. In seltenen Fällen kann auch eine ergänzende Medikation hilfreich sein um das Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems wieder herzustellen.

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