Vegetative Dystonie

Was versteht man unter vegetativer Dystonie?

Unter vegetativer Dystonie versteht man ein Ungleichgewicht im vegetativen Nervensystem. Das vegetative Nervensystem durchzieht den ganzen Körper und regelt die Wachheit, die Herztätigkeit, die Atmung und die Verdauungstätigkeit. Das vegetative Nervensystem ist durch den Willen nicht beeinflussbar weshalb es auch als „autonomes“ Nervensystem bezeichnet wird.

Wie kommt es zu einem Ungleichgewicht?

Die Aktivierung des vegetativen Nervensystems ist Teil der Stressreaktion. Unter einer Stressreaktion versteht man die körperlichen und psychischen Veränderungen welche in Folge einer Stressbelastung auftreten. Im Rahmen der Stressreaktion bereitet sich der Organismus auf eine drohende Auseinandersetzung vor. Die Aufmerksamkeit fokussiert sich, der Herzschlag steigt, der Blutdruck erhöht sich und die Atmung beschleunigt sich. Der Organismus versucht so optimale Voraussetzungen für einen Kampf oder eine Flucht zu treffen. Somit gehört die Stressreaktion zum normalen Leben und ist an sich nicht schädlich. Problematisch wird die Stressreaktion wenn sie zu oft direkt auf einander folgt und dazwischen keine Phasen der Entspannung mehr sind. Der Körper bleibt dann in einem Zustand der Daueranspannung. Durch die Daueraktivierung des vegetativen Nervensystems kann es dann zu innerer Unruhe, Herzrasen, Atembeschwerden, Schwitzen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Schlafstörungen kommen welche auch nach Wegfall der Gefahr nicht mehr abklingen.

Wie diagnostiziert man ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems?

Bis vor wenigen Jahren konnte ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems nur anhand der Symptome  vermutet werden. Seit einigen Jahren besteht nun mit Hilfe der Messung der Herzschlagvariabilität die Möglichkeit Veränderungen des vegetativen Nervensystems tatsächlich zu messen.

Was misst die Herzschlagvariabilität?

Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei „Gegenspielern“ welche beim Gesunden das Verhältnis von Anspannung und Entspannung so regeln dass es der Situation angemessen ist. Der zu Anspannung führende Teil nennt sich Sympathikus, der zu Entspannung führende Teil Parasympathikus. Üblicherweise überwiegt mal der eine, mal der andere Teil. Die Geschwindigkeit des Herzschlags wird vom autonomen Nervensystem und damit vom Sympathikus und vom Parasympathikus reguliert. Mit Hilfe einer hochwertigen Technik lassen sich nun die Abstände der Herzschläge erfassen und daraus kann mit komplexen Algorithmen herausgerechnet werden ob der Einfluss des Sympathikus oder des Parasympathikus überwiegt und damit ob ein Ungleichgewicht im vegetativen Nervensystem im Sinne einer vegetativen Dystonie vorliegt.

Wie behandelt man ein Ungleichgewicht des vegetativen Nervensystems?

Für eine wirksame Behandlung ist es zunächst einmal wichtig den Zustand des vegetativen Nervensystems zu kennen. So ist bei einem Überwiegen des Sympathikus in der Regel Entspannung und Entlastung anzustreben, bei einem Überwiegen des Parasympathikus hingegen Aktivierung u.a. durch körperliche Maßnahmen. Im Rahmen eines Coachings oder einer Psychotherapie erarbeite ich mit Ihnen gezielte Lösungsstrategien. Im Bedarfsfall kann die Behandlung auch vorübergehend durch eine gezielte Medikation unterstützt werden. So aktivieren oder hemmen bestimmte Medikamente den Sympathikus und andere den Parasympathikus. Kern der Behandlung sind jedoch immer die langfristig wirksamen Maßnahmen von Coaching und Psychotherapie.